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Samstag, 20. Dezember 2008
Dank
Die Leserinnen und Leser dieses Blogs geben dem
Geschriebenen den Wert. Dafür danke ich im Namen
aller Blogschreiber herzlich und wünsche frohe
Festtage und ein glückliches Jahr 2009!
Der Blog wird am 6. Januar 2009 wieder erscheinen
und über neue Herausforderungen und neue Kämpfe zu
berichten wissen. Bis dahin mag uns der Gedanke des
die Natur so wunderbar beobachtenden Dichters Rudolf
Burger[1]
begleiten:
"Es
will's wagen
Das Vöglein lag geborgen im warmen Nest.
Nun sitzt es zitternd auf einem Ast,
ein braunes Kügelchen aus Flaum.
Sein kleines Herz pocht laut.
Den Funken des Lebens weiter zu tragen
ist ihm aufgetragen und es will's wagen.
Rudolf Burger"
Windisch, 20. Dezember 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Rudolf Burger, Bis der neue Tag anbricht,
5736 Burg: Eiche-Verlag, 2008, Seite 5.
Dienstag, 16. Dezember 2008
Gold
Inflation
ist vorab ein monetäres Phänomen. Die enorme
Aufblähung der Geldmenge in den grossen
Volkswirtschaften wird deshalb, da die Kaufkraft
nicht rechtzeitig und nicht vollständig abgeschöpft
werden kann, in wenigen Jahren zu hoher Inflation
führen. Wie gross diese sein und wie lange sie
andauern wird, ist einerseits eine
wissenschaftliche, andererseits eine politische
Frage. Hans J. Bocker geht dieser Frage in einer
unorthodoxen
Kampfschrift[1]
für Gold als Währung nach. Das flüssig geschriebene
Werk fordert immer wieder zum Widerspruch heraus,
regt aber gleichzeitig zum Nachdenken an. Über das
Vergängliche und über das Fragwürdige ("die fünf reichsten Gruppierungen der Menschheit: Auslandchinesen, Juden,
Auslandarmenier, Mormonen und Scientologen",
Seite 49) hinaus findet sich Solides und
Verlässliches. So falsch ist die Drei-Speichen-Regel
(je ein Drittel des Vermögens in Wertpapieren, Land
und Edelmetallen anzulegen) ja nicht, wenigstens für
Leute, die etwas anzulegen haben. Andere Leser
werden sich Sparsamkeit vornehmen und vorläufig mit
Theodor Fontane schliessen:
" So reich sein, das könnte mich
verlocken -
Sonst bin ich für Brot in die Suppe brocken."
Wer glaubt, er wisse Bescheid auf den Märkten, lese
dieses sauber gedruckte und gebundene Buch (was
heutzutage erwähnenswert ist) und teste seine
Selbstsicherheit. Vielleicht bleibt sie ihm sogar
erhalten!
Windisch, 16. Dezember 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Hans J. Bocker,
Gold,
Bern: Verlag Johannes Müller (Neuengasse
38), 2008,
ISBN 978-3-9523315-1-4
Samstag, 13. Dezember 2008
Damian Green
Dass im Mutterland aller Parlamente, im Vereinigten
Königreich, ein oppositioneller
Unterhausabgeordneter verhaftet und während neun
Stunden im Polizeigewahrsam bleiben kann, nur weil
er bekannt machte, was die Regierung, um eigene
Mängel zu verdecken, geheim halten wollte, ist eine
Überraschung. Für ganz so dekadent hätte dieser Blog
London denn doch nicht gehalten. Nun, die Wähler
werden wohl der Arroganz der Macht die Quittung
geben, sie tun es in der Regel früher oder später.
Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, aber sie
mahlen gut. Jedenfalls hat sich Damian Green, dies
der Name des vorübergehend verhafteten
Parlamentariers, nicht einschüchtern lassen, sondern
nach seiner Freilassung erklärt: "I
have, many times, made public information that the
Government wanted to keep secret.
Information which the
public has a right to know. In a democracy
opposition politicians have a duty to hold the
Government to account. I was elected to do precisely
that, and I will continue to do so."[1]
Sinngemäss: Wo
die Öffentlichkeit ein Recht auf Information hat,
ist es nicht an der Regierung, diese Information
zurückzuhalten. In einer Demokratie muss die
Opposition die Regierung zur Rechenschaft ziehen,
dafür bin ich gewählt worden und das werde ich
weiterhin tun. Solche Worte könnten auch für
unser Land und unseren Kanton schneller mehr
Bedeutung erhalten, als wir selbst heute für möglich
halten.
Windisch, 13. Dezember 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
http://www.damiangreen.org/, nachgeschlagen
am 8. Dezember 2008.
Dienstag, 9. Dezember 2008
Deflation? Inflation!
Der Ölpreis ist um mehr als 100 Dollar pro Fass
gesunken, von über 147 Dollar auf unter 45 Dollar.
Das spüren wir in diesem Land nur in einer
abgeschwächten Weise, weil Steuern, Abgaben,
Raffinierungs- und Verteilkosten zusammen heute
schon einen grösseren Einfluss auf den Pumpenpreis
haben als der Rohstoff. selbst. Und doch ist
eindeutig auch für den Konsumenten eine Entlastung
eingetreten, die mit weiteren Preisrückgängen primär
im Bereich der Lebensmittel einhergeht. Schon macht
das Wort der Deflation erneut die Runde und eine
Spirale von Preissenkungen als Auslöser und
Begleiterscheinung einer grossen Krise ist in die
Zeitungskolumnen geraten. Eine Deflation, eine, die
den Namen verdient wenigstens, ist jedoch eher
unwahrscheinlich, denn die Milliarden, mit welchen
die Regierungen in West und Ost um sich werfen, um
marode Banken zu stützen, die besser liquidiert
würden, um besser gerüsteten und damit der
Wirtschaft mehr nützenden Konkurrentinnen Platz zu
machen, diese Milliarden werden uns einholen, in
Form einer riesigen und globalen Inflation. Sie wird
ein, zwei, drei Jahre auf sich warten lassen, aber
sie wird kommen und, wie immer, die Sparguthaben und
den Bargeldbesitz einer ungerechten Steuer
unterwerfen. Denn Inflation ist nichts anderes als
Umverteilung der Ansprüche auf die Gesamtmenge der
vorhandenen Güter und Dienstleistungen. Können wir
dies aufhalten? Nein, die Schüsse sind aus dem Rohr,
beobachten wir in den kommenden Wochen, Monaten,
Jahren wo sie niedergehen!
Windisch, 9. Dezember 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 6. Dezember 2008
Alles Gute, Schönwetterfreunde!
Alles hat sein Gutes, auch ein schwieriges Wegstück
wie dasjenige, auf dem die SVP zurzeit sich
befindet. Es gibt plötzlich Leute, die nicht mehr
dazu gehören wollen. Es sind wenige, aber es gibt
sie. Was sollen wir tun? Lassen wir sie ziehen,
bleiben wir bei unseren Grundsätzen – der
Unabhängigkeit des Vaterlandes und der Freiheit
seiner Bürgerinnen und Bürger – wie bisher und
bewahren wir die traditionelle Toleranz gegenüber
anderen Meinungen. Kritik gehört innerhalb der
Partei genau so zur Qualitätssicherung wie
ausserhalb. Nun, wie gesagt, es gibt einzelne
Austritte. Wir verlieren Menschen in unseren Reihen,
das ist immer unwillkommen, aber wir bleiben uns
selber treu und das ist in unruhigen Zeiten
besonders wichtig. Wer findet, der Weg sei ihm zu
schwierig oder das Wetter zu schlecht, mag ziehen,
mit unseren besten Wünschen.
Windisch, 6. Dezember 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 2. Dezember 2008
Unmöglich kann Europa länger zusehen…
Bayern verbietet seinen Handwerksgesellen, im
verdächtigen Kanton Bern auf Wanderschaft zu gehen,
ja Österreich bricht die diplomatischen Beziehungen
zum Kanton Bern ab! Handelt es sich um eine neue
Episode aus der humoristischen Welt Herr Hürzelers[1]? Weit gefehlt! Die Realität von
1834 war für die Betroffenen bitterer Ernst und die
vorliegende Arbeit Josef Inauens[2] zeichnet sich durch höchste
Seriosität aus.
Der Autor entführt den Leser in eine sehr
fremd gewordene Welt, in der bei allen alten und
engen wirtschaftlichen Beziehungen zur Schweiz die
süddeutschen Fürsten und ihre Regierungen einerseits
aus eigener Sorge vor der Herausforderung der
Demokratisierung, andererseits unter dem Druck der
konservativen Grossmächte Österreich und Preussen
der Eidgenossenschaft mit verschiedenen Abstufungen
der Kälte begegneten. Der grosse Wert von Inauens
flüssig geschriebener Arbeit ist die Dokumentation
andernorts bisher kaum zu findender Persönlichkeiten
und Zusammenhänge. So begegnen wir dem bayrischen
Gesandten Johann Franz Anton von Olry, einem
Seelenverwandten des konservativen schweizerischen
so genannten Restaurators und Hegel-Gegners Karl
Ludwig von Haller. Die Arroganz eines Teils unserer
damaligen Nachbarn und ihrer Gesandten gehört zur
Geschichte des Antihelvetismus, einer
Geisteshaltung, welche genau so wie die Freundschaft
zur Schweiz seit dem Spätmittelalter vorkommt und
die auch heute ihre Exponenten hat. Es ist ja noch
gar nicht sehr lange her, dass wir Aussagen gehört
haben wie die im August 1836 vom badischen Gesandten
Alexander von Dusch angeregte drohende Demarche, "unmöglich
könne Europa dem gegenwärtigen Zustand der Schweiz
länger zusehen" (Seite 276). Wer glaubt, wir
hätten heute nur Freunde und immer nur Freunde
gehabt, ist gut beraten, Inauens Werk zur Hand zu
nehmen. Möge es dem Autor vergönnt sein, die in
Aussicht gestellte Fortsetzung der Arbeit für die
Jahre 1840 bis 1848 bald seinem vorzüglichen ersten
Buch zur Seite zu stellen!
Windisch, 2. Dezember 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
z.B. Neue Briefe von Herrn Hürzeler,
ISBN 3-033-00281-1
[2]
Josef Inauen,
Brennpunkt Schweiz; Die süddeutschen Staaten
Baden, Württemberg und Bayern und die
Eidgenossenschaft 1815-1840, Fribourg:
Academic Press, 2008, ISBN 978-3-7278-1638-3
Samstag, 29. November 2008
Alle an die Urnen!
Das Aargauer Volk wird dieses Wochenende
entscheiden, welche Regierung in den nächsten vier
Jahren den Ton angeben wird. Nur sehr begrenzt kann
der durch die Personenwahl festgesetzte Kurs im
Parlament oder bei den wenigen Volksabstimmungen
gemildert oder verändert werden. Die Tatsache, dass
die Macht zum kleinsten und erst noch vollamtlichen
Gremium gravitiert, wird sich nicht so schnell
ändern. Was heisst das für den Aargau? Wir werden
entweder die Voraussetzungen für ein dringend
benötigtes neues Kernkraftwerk schaffen können oder
nicht. Wir werden entweder die erreichte
Budgetdisziplin fortführen können oder nicht. Wir
werden entweder weiterhin mit die Identität
gefährdender bürokratischer
Reformwut konfrontiert werden oder nicht. Das
sind hoffentlich für alle Bürgerinnen und Bürger
klare Gründe, an die Urnen zu gehen, für mich
persönlich Gründe, bürgerliche Regierungsräte zu
wählen und insbesondere die beiden SVP-Kandidaten
Luzi Stamm und Alex Hürzeler!
Windisch, 29. November 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 25. November 2008
Muschel an meinem Ohr
Wer im neunten Jahrzehnt seines Lebens steht, kann
Dinge offen aussprechen, die unsere im Wort unfrei
gewordene, politisch korrekte Gegenwart sonst kaum
mehr zu hören bekommt. Rudolf Burger tut das in
seinem neusten Bändchen "Muschel an meinem Ohr"[1]
in erfrischender, menschenfreundlicher Weise: "Frevler sind es, die am Werk sind im Bannwald der Freiheit und
Eigenständigkeit. … Menschen, die in ihrem Hochmut
und ihrer Gottferne heimatlos geworden sind, möchten
das Band der gemeinsamen Werte durchschneiden, sie
möchten, dass wir wie sie heimatlos werden." Er
poltert nun aber nicht und er predigt nicht gegen
sie, er nennt sie nur beim Namen und schreibt: "Das
Bleibende, was ist es? Es mag ein Lächeln sein, eine
Freude, die uns ganz erfüllte und die wir weiter
geben konnten." Eine solche weitergegebene
Freude ist dieses gediegene kleine Werk.
Windisch, 25. November 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Rudolf Burger,
Muschel an meinem Ohr, 5736 Burg:
Eiche-Verlag, 2008
ISBN 978-3-9520392-9-8
Samstag, 22. November 2008
Solidarität mit den Gemeinden!
Die Gemeindeautonomie ist allen Schreibern dieses Blog ein besonders
wichtiges Anliegen, ein so wichtiges, dass der
heutige Blogeintrag angesichts der allzu
bescheidenen medialen Berichterstattung
ausnahmsweise für die Wiedergabe einer Stellungnahme
des Komitees für Gemeindeautonomie (Postadresse: c/o
Gemeindeverwaltung Hallwil, zu Handen von Herrn
Gemeindeschreiber Zumbühl, 5705 Hallwil) reserviert
bleibt. Wir fügen hier nur an, dass das Parlament in
der zweiten Beratung noch korrigieren und das Volk
am Ende die Notbremse ziehen kann und, wenn es denn
sein muss, hoffentlich ziehen wird. Es folgt der
Text der Stellungnahme:
"Der Grosse Rat des Kantons Aargau
hat das 1. Massnahmenpaket der Gemeindereform (GeRAG)
am 4. November 2008 in 1. Lesung beschlossen. Das
Komitee für Gemeindeautonomie und einen
solidarischen Aargau hat diese Beratungen mit
Inte-resse verfolgt und festgestellt, dass die
Mehrheit unserer Grossräte den Kleinst- und
Kleingemeinden die Existenzberechtigung abgesprochen
hat.
Verschiedene Erwägungen von Parlamentariern wie auch
der Regierung sollten die Bevölkerung
wachrütteln. Diesbezüglich halten wir fest:
-
Die Regierung als auch das Parlament wollen mit
„Zuckerbrot und Peitsche“ die nach ihren Aussagen
„überholten Strukturen“ beseitigen. Mit Zwang und
falschen Anreizen lösen wir aber keines der
anstehenden Probleme. Das ist keine nachhaltige
Gemeindepolitik!
-
Der Regierungsrat und gewisse Mitglieder des Grossen
Rates weisen immer wieder darauf hin, dass
finanzausgleichsberechtigte Gemeinden faktisch
sowieso nicht autonom sind. Diese Verkürzung ist
Unsinn! Jede Gemeinde, auch diejenigen die
Finanzausgleich erhalten, lösen in voller
Verantwortung ihre Aufgaben und Pflichten. Die
Zusammenarbeit unter den Gemeinden jetzt
anzuprangern und als Vorwurf zu erheben ist
beschämend. Eine solche Schwächung des
Gemeindegedankens – wie sie mit obigen Aussagen
gemacht wird – dürfen wir im Kanton Aargau und in
der Schweiz nicht zulassen!
-
Tatsache ist, dass das Element „finanz- und
wirtschaftsschwache Region“ bekanntlich mit der
Raumentwicklung zentral gesteuert und bestimmt wird.
Zu diesen für die Gemeindeentwicklung wichtigen
Themen hat GeRAG keine Antworten.
-
Mit GeRAG wird zwar ein Fusionshemmnis abgeschafft.
Durch diese Massnahme wird jedoch vielen Gemeinden
ihre Existenzgrundlage entzogen. Die untauglichen
und beschönigenden flankierenden Massnahmen mildern
zwar die finanziellen Auswirkungen, führen aber auch
nachweislich zu grossen Verzerrungen im
Finanzausgleichsgefüge. Dadurch wird die
Steuerfussschere weiter aufgehen und die Solidarität
in der Gemeindelandschaft zusätzlich untergraben.
-
Durch den Finanzmittelentzug bleibt vielen Gemeinden
keine andere Möglich-keit als ein Zusammenschluss,
denn nur dann gibt es die Pauschalbeiträge. Somit
entscheidet der Regierungs- und Grossrat faktisch
über die Gemeinde-grössen, die Strukturen und wie
die Menschen in finanz- und wirtschafts-schwachen
Regionen zu leben haben.
-
Tatsache ist auch, dass Gemeindezusammenschlüsse
aufgrund folgender Faktoren erfolgreich sind:
Entscheid wird „von unten“ getragen, Identifikation
der Bevölkerung findet statt, Dorfkulturen werden
beachtet, Identität bleibt gewahrt, Freiwilligkeit
der Entscheidung. Wie soll eine erfolgreiche
Strukturveränderung mit nachhaltiger
Gemeindeentwicklung erfolgen, wenn keine andere Wahl
besteht?
Es
braucht eine Reform! Hemmnisse und
strukturentwicklungshemmende Elemente sollen
abgebaut werden. Um diese Ziele zu erreichen, gäbe
es moderatere Wege, wenn der ehrliche und wirkliche
Wille bestehen würde, Massnahmen zur Zielerreichung
dieser Gemeindereform zu finden.
Leider sind wir heute weit von solchen Vorstellungen
entfernt, wollen doch Regierung und Grosser Rat
offensichtlich eine Strukturbereinigung und
zentralistische Lösungen erzwingen. Grundelemente
wie Demokratie, Gemeindeautonomie, Solidarität und
Gleichberechtigung sollen dabei insbesondere für
Randregionen mit Zwang ersetzt werden.
Gegen eine solche Entwicklung setzen wir uns
entschieden zur Wehr!"
Windisch, 22. November 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 18. November 2008
Der Präsident, der Nobelpreisträger und Jeremias
Gotthelf
Auch wer sich in anderen Fällen geirrt haben mag,
kann wichtige Wahrheiten aussprechen. So hat der
amerikanische Präsident George W. Bush am 13.
November 2008 in New York davor gewarnt, ein Paar
Monate Krise zum Anlass zu nehmen, freien Märkten
den Rücken zuzudrehen. Reformen seien gewiss nötig,
das Hauptproblem aber sei die Notwendigkeit
wirtschaftlichen Wachstums. "Und der sicherste Weg
zu diesem Wachstum sind freie Märkte und freie
Menschen."
("And the surest path to that growth
is free markets and free people."[1])
Auch wer oft brillant ist, kann gefährlichen Unsinn
vorschlagen. So hat der Kolumnist und Professor und
Nobelpreisträger Paul Krugman am 15. November 2008
geschrieben, unter den herrschenden
Depressionsbedingungen seien die Regeln
wirtschaftlichen Verhaltens nicht zu beachten:
"Tugend wird Laster, Vorsicht ist riskant und
Klugheit ist Dummheit." ("Virtue becomes vice,
caution risky and prudence folly."[2])
Damit meint er hauptsächlich, der Staat solle die
Wirtschaft unabhängig von einem Budgetdefizit
stimulieren, mit anderen Worten Geld ausgeben, das
er nicht hat, Schuldenwirtschaft betreiben! Da ist
es am Platz, daran zu erinnern, dass die ganze
Finanzkrise damit begonnen hat, dass Leute Häuser
gekauft haben, die sie sich nicht leisten konnten,
weil sie damit rechneten, dass der laufend steigende
Wert ihrer Immobilien ihnen am Ende aufs Trockene
helfen werde - und dann fielen die Preise der
Liegenschaften und die Krise begann. Und nun soll
die Schuldenwirtschaft, die uns in die Probleme
geführt hat, generalisiert, sozusagen durch
staatliche Aktionen allgemeinverbindlich gemacht
werden! Nun, wer will, dass seine Kinder und Enkel
übermorgen noch etwas vom heutigen Wohlstand haben
werden, wird im Staat, in der Gemeinde und in der
Familie derartigen Unsinn bekämpfen, konsequent
ausgeglichene Budgets vertreten, darüber hinaus
sparen und allenfalls bereits bestehende Schulden
abbauen. Gross geworden sind die Volkswirtschaften
des Westens dank einer Gesetzesordnung, welche den
Staat in die Schranken gewiesen und die Freiheit des
Einzelnen garantiert hat und ausserdem dank
rigoroser Sparsamkeit (was die Kapitalbildung und
damit das Wirtschaftswachstum ermöglicht). Jeremias
Gotthelf hat mit den Worten, die "Geld und Geist"
einleiten, noch nie mehr Recht gehabt als heute: "Im Bernbiet liegt mancher schöne Hof, mancher
reiche Bauernort, und auf den Höfen wohnt manch
würdiges Ehepaar, in ächter Gottesfurcht und
tüchtiger Kinderzucht weithin berühmt, und ein
Reichtum liegt da aufgespeichert in Spycher und
Kammer, in Kasten und in Kisten, von welchem die
luftige neumodische Welt, welche alles zu Geld
macht, weil sie viel Geld braucht, keinen Begriff
hat. Bei allem diesem Vorrat liegt eine Summe Geld
im Hause für eigene und fremde Notfälle, die in
manchem Herrenhause jahraus, jahrein nicht zu finden
wäre. Diese Summe hat sehr oft keine bleibende
Stätte. Wie eine Art von Hausgeist, aber keine böse,
wandert es im Hause herum, ist bald hier, bald dort,
bald allenthalben: bald im Keller, bald im Spycher,
bald im Stübchen, bald im Schnitztrog und manchmal
an allen vier Orten zu gleicher Zeit und noch an ein
halb Dutzend andern. Wenn ein Stück Land feil wird,
das zum Hofe sich schickt, so wird es gekauft und
bar bezahlt. Vater und Großvater sind auch nie einem
Menschen etwas schuldig geblieben, und was sie
kauften, zahlten sie bar und zwar mit eigenem
Gelde."
Windisch, 18. November 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
http://www.whitehouse.gov/news/releases/2008/11/20081113-4.html,
nachgeschlagen am 15. November 2008.
[2]
International Herald Tribune, 15-16 November
2008, Seite 7.
Samstag,
15. November 2008
Lateintag!
Was hat uns das Latein, die Sprache der alten
Römischen Republik, die Sprache Ciceros, noch zu
sagen? Nun, in diesem Land wohl eine ganze Menge:
Die Angehörigen von zwei unserer vier Sprachkulturen
sagen von sich im Grunde noch heute, sie seien Römer
("Romands", "Romontschs"), unsere ganze Vorstellung
vom Recht, das über allen Menschen steht, verdanken
wir dem lateinischen Erbe: "Wir sind alle Diener des
Rechts, damit wir freie Menschen sein können" So
drückt es Cicero aus, oder, im Original (Pro
Cluentio LIII): "legum
… omnes servi sumus, ut liberi esse possimus."
Und heute? Heute, 15. November findet im
Prophetenstädtchen Brugg (im Latein- und
Hallwylerschulhaus und im Salzhaus) von 10.00 Uhr
bis 21.45 Uhr der Lateintag statt, mit römischer
Küche und römischen Gesängen, deren Klängen zu
lauschen auch in einer sehr veränderten Gegenwart
noch das Leben bereichert
Windisch, 15. November 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 11. November 2008
Die volle Anstrengung aller bürgerlichen
Kräfte tut Not!
In seiner meisterhaften Dramen-Trilogie
Wallenstein
kommentiert Friedrich Schiller nicht so sehr die
Epoche des Dreissigjährigen Krieges, sondern
vielmehr die menschliche Natur. Klassisch ist, was
Octavio Piccolomini über die Folgen von Missetaten
sagt:
Mein bester Sohn! Es ist nicht immer möglich,
Im Leben sich so kinderrein zu halten,
Wie’s uns die Stimme lehrt im Innersten.
In steter Notwehr gegen arge List
Bleibt auch das redliche Gemüt nicht wahr –
Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären."
Es ist sehr zu bezweifeln, dass alle
Verantwortlichen, welche in den vergangenen Wochen
weltweit mit Milliarden an Volksvermögen um sich
geworfen haben, um das Finanzsystem zu retten,
Schiller gelesen haben oder auch nur ihre eigene
Verantwortung wirklich vollständig zu Ende gedacht
haben. Weshalb sollte nicht den Autoherstellern
billig sein, was den Banken recht war? Weshalb nicht
jeder beliebigen anderen Branche? Überall geht es um
Arbeitsplätze, überall geht es um Menschen, die
betroffen sind! Und überall wird das Aufgeben der
bewährten, harten, aber klaren und gerechten
Grundsätze des freien Marktes uns weiter in den
staatssozialistischen Sumpf führen, dessen
Kennzeichen der unökonomische Umgang mit Ressourcen,
die Bremsung des Wirtschaftswachstums und damit das
Schwächen der Konkurrenzfähigkeit des jeweiligen
Landes im weltweiten Wettbewerb, vor allem aber ein
riesiger Verlust an Freiheit sein werden. Es ist
unvermeidlich, dass sich die ökonomische Realität am
Schluss durchsetzt, 1991 haben am Ende auch die
Sowjets erkannt, dass, was sie seit 1917 praktiziert
hatten, ein Irrtum war, aber noch einmal eine solche
Katastrophe - mit allen oder auch nur einem Teil
ihrer Dimensionen - heraufzubeschwören, nur weil
2008 einige Entscheidungsträger die Nerven verloren
haben, wäre fatal. Ob es gelingen kann, den
Staatssozialismus aufzuhalten, wissen wir nicht,
dass wir ihn nicht aufhalten werden, wenn wir es
nicht versuchen, ist hingegen gewiss. Die volle
Anstrengung aller bürgerlichen Kräfte in der Heimat
und in der Welt tut Not!
Windisch, 11. November 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 8. November 2008
Wie viel Schaden wollen wir
noch anrichten?
Wir haben in unserem Land
noch drei grosse, nach ihren Börsenkapitalisierungen
wirklich zählende Weltfirmen, Nestlé, Novartis,
Roche. Zwei davon haben wir durch ein politischer
Angstmacherei zuzuschreibendes Moratorium des Anbaus
gentechnisch veränderter Pflanzen gefesselt. Das
Moratorium läuft noch bis 2010. Zeit genug, mehr als
genug, Grundlagen für das ordentliche Recht zu
schaffen. Aber nein, die Kommission für
Volkswirtschaft und Abgaben des Aargauer Parlaments
will dieses unser Land in die Provinzialität
zurückdrückende Moratorium noch einmal um vier Jahre
verlängern, das heisst eine entsprechende
Standesinitiative einreichen. Dergleichen
Unverantwortlichkeiten gegenüber den
wirtschaftlichen Existenzgrundlagen unserer Kinder
und Enkel sollten wir bleiben lassen! Die Zeitläufe
eignen sich schlecht für weiteren durch Politiker
unserer Wirtschaft zugefügten Schaden. Es ist zu
hoffen, dass sich der Grosse Rat diesmal einem
offenkundig schädlichen Vorstoss verschliessen wird!
Windisch, 8. November 2008 Jürg
Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 4. November 2008
Der Kassengriff der Classe
Politique
Es wird Grossrätinnen und
Grossräte geben, die dagegen stimmen, es ist aber
leider zu befürchten, dass die Mehrheit in Aarau
heute (oder am kommenden Dienstag) tief in die Kasse
des Volkes greift und, zufrieden mit sich selber,
sich eine massive, die bisherigen Bezüge per Saldo
mehr als verdoppelnde, Entschädigung zuspricht.
Warum ist diese Erhöhung
unnötig?
Hat man schon gehört, dass das Aargauer Volk mangels
Kandidatinnen und Kandidaten den Grossen Rat nicht
habe bestellen können? Die Parlamentarierinnen und
Parlamentarier sind alle freiwillig im Amt, um dem
Volk zu dienen, und es wird immer 140 brauchbare
Frauen und Männer geben, die diese Arbeit verrichten
wollen! Warum ist der Kassengriff
schädlich? Weil er
Nachahmung finden wird, auf allen Stufen, im ganzen
Kanton und darüber hinaus in den Gemeinden. Und die
Bürgerinnen und Bürger werden sagen: „Anstatt
sich mit den Problemen des Volkes zu beschäftigen,
federn sie ihr eigenes Nest.“
So wird es tönen und wenn es so tönen wird, wird
guten Gewissens niemand widersprechen können.
Windisch, 4. November 2008 Jürg
Stüssi-Lauterburg
Samstag, 1. November 2008
Weniger Kleinmut!
Die Finanzmärkte haben sich ein
wenig erkältet, es ist wahr (dieser Blog hat den
Verlauf der Krankheit über Monate verfolgt, auch als
dies noch nicht Mode war). Und was geschieht? Es
sind, in der politischen Sphäre, auch im Kanton
Aargau, Bilder zu beobachten wie wenn aufgescheuchte
Hühner auseinander fahren! Gab es einen Grund, die
Rechtsformänderung der Kantonalbank, ein Gebot der
Vernunft, nun auf Eis zu legen? Es gab keinen, im
Gegenteil, die Abschaffung der überaus gefährlichen
Staatsgarantie war noch nie dringender! Allein,
unter dem Vorwand, das Volk werde nein sagen (wissen
wir denn das bevor wir es fragen?) wird nun alles
sistiert! Es gibt, leider, in diesem Geschäft kaum
Helden zu verzeichnen, es waren wenige Stimmen, von
Rothrist und Schöftland bis Baden kamen sie, die
wenigstens in den Fraktionen warnten, umsonst. Zwei,
drei staatssozialistische Erklärungen im Grossen Rat
und eine Regierung, in der die einen um ihren
Nachruhm, die anderen um ihre Wiederwahl besorgt
sind,
sistiert,
was sie
forcieren
sollte, die Modernisierung ihrer
Beteiligungspolitik! Was ist zu tun? Nun, es gilt,
weiter zu kämpfen, gegen den Staatssozialismus, auch
wenn bürgerliche Politiker in einer Anwandlung von
Kleinmut staatssozialistische Bekenntnisse von sich
geben! Es wird ihnen am Ende nicht wirklich ernst
sein damit und die nun einsetzende Erholung der
Finanzwelt wird ebenso für neuen Mut sorgen wie die
anstehende Blutauffrischung im Regierungsrat! Hoffen
wir, dass nach den Wahlen dort Kräfte den Ton
angeben, für welche Namen stehen wie Luzi Stamm,
Alex Hürzeler, Roland Brogli, Peter Beyeler oder
auch Doris Fischer-Täschler. Wir brauchen sie, vor
allem aber brauchen wir weniger Kleinmut!
Windisch, 1. November
2008 Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 28. Oktober 2008
Nicht der Staatsapparat,
sondern das Volk!
Demokratie ist die
Herrschaft des Volkes. Das heisst aber auch, dass
das Volk selbst und direkt handeln muss, wenn eine
Sache so dringend und wichtig ist, dass es
gefährlich wäre, sie dem trägen Staatsapparat, dem
Bureausaurus helveticus,
zu überlassen. Das ist in unserer Geschichte zum
Glück immer wieder geschehen, nie schlagender, als
bei der Schöpfung der Flugwaffe durch den Willen des
Volkes. Noch die Kaisermanöver von 1912 (der
deutsche Kaiser Wilhelm II war auf Staatsbesuch)
fanden ohne Flugzeuge statt und die
Generalstabsabteilung wollte sich der Militäraviatik
nur zuwenden, wenn das erforderliche Geld gefunden
werde… Da beschloss die Schweizerische
Offiziersgesellschaft (unter dem Vorort Freiburg) am
1. Dezember 1912, das Volk aufzurufen, eine Kollekte
zusammenzulegen. Oskar Bieder flog, um dafür zu
werben. Am 9. Mai 1913 konnte der für die damaligen
Verhältnisse hohe Betrag von 1.7 Millionen
Goldfranken dem Bundesrat übergeben werden.
Bundesrat Arthur Hoffmann konnte daraufhin am 15.
Juli die Aviatik-Kommission zur ersten Sitzung
begrüssen. Die Schweiz hatte die Kurve ein weiteres
Mal gerade noch rechtzeitig geschafft, trotz des
Staatsapparats, dank dem Volk!
Windisch, 28. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 25. Oktober 2008
Jetzt brauchen wir die
Steuersenkung mehr als jemals zuvor!
Es gab eine Zeit – sie
liegt noch gar nicht so lange zurück - da konnte man
in guten Treuen geteilter Meinung sein, ob die auf
2010 vorgesehene, vom Volk beschlossene dritte
Etappe der Steuersenkung wirklich bereits auf 2009
eingeführt werden solle oder nicht. Fiskalische
Gründe sprachen dagegen, volkswirtschaftliche dafür.
Diese Zeit ist Geschichte geworden: Wenn wir einen
Kollaps auch unserer schweizerischen Wirtschaft
verhindern wollen, müssen wir uns mit
allen
dazu tauglichen Mitteln für die Gesundung der
deutlich angeschlagenen Ökonomie einsetzen. Da kommt
die vorgezogene Steuersenkung wie gerufen. Jetzt zu
dieser Steuersenkung Nein zu sagen, würde von wenig
Weitblick zeugen und die Aussichten für unseren
Kanton und unser Land vielleicht nicht entscheidend,
aber doch deutlich verschlechtern. Stimmen wir also
dem Vorziehen der dritten Etappe der Aargauer
Steuergesetzrevision verantwortungsbewusst zu!
Windisch, 25. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 21. Oktober 2008
Wie weiter?
Staatssozialisten haben –
mit Argumenten, deren häufige Wiederholung sie nicht
weniger fadenscheinig macht – insbesondere in Europa
und Amerika die Finanzkrise benützt, um ihren Traum
von der Kontrolle des Weltfinanzsystems ein Stück
weit zu verwirklichen. Diese staatssozialistischen
Interventionen in der Bankenwelt werden
strukturerhaltend wirken und damit die nötige
Erneuerung verzögern. Die Verzögerung der
Flurbereinigung wird den aufstrebenden Mächten des
Ostens bei ihrem Überholmarsch zugute kommen. Das
können wir zur Zeit nicht ändern, nur mutig
kritisieren wie etwa Konrad Hummler es tut! Was
bedeutet dies für uns als Privatleute und als
Angehörige unserer Familien? Wir werden gut daran
tun, Abhängigkeiten zu verringern, also alle
Schulden ohne Ausnahme zurückzuzahlen und danach mit
Geld, das wir in den kommenden zwei Jahren nicht
brauchen, Aktien zu kaufen. Die Kontrolle der
Staatsverwaltungen über das Bankwesen (und etwas
anderes als die Verstaatlichung der grossen Banken
hat nicht stattgefunden) wird nämlich einen
Inflationsschub auslösen, da Politiker nie den Mut
haben, nominale Abstriche zu erzwingen, reale
Abstriche aber unvermeidlich sind und Inflation die
einzige Möglichkeit ist, dieses Problem zu lösen.
Wenn die Geldmenge schneller wächst als die reale
Wirtschaft steigen die Preise. Das ist der
Haupthintergrund des sehr vernünftigen Aufrufs, den
Warren E. Buffett keineswegs nur aus patriotischen
Gründen erlassen hat: „Today
my money and my mouth both say equities.“[1]
Man dürfte allerdings gut beraten sei, ein nach
Branchen und Kontinenten weit diversifiziertes
Portefeuille aufzubauen!
Windisch, 21. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
International Herald Tribune, October 18-19,
2008, Neuilly: IHT, 2008, Seite 6.
Samstag, 18. Oktober 2008
Amerikanischer
Staatssozialismus
Viermal 25 Milliarden
Dollar, um die vier grössten amerikanischen Banken
dem Einfluss des Staatsapparats zu unterwerfen: Das
ist zwar keine vollständige Beschreibung der so
genannten staatlichen Investition in Aktien von
Bank of America,
Citigroup,
JPMorgan Chase
und Wells Fargo
aber das ist in der Substanz, was sich abspielt.
Dass ein republikanischer Präsident eine derartige
krass staatssozialistische Massnahme ergreift, kann
man entweder als Zeichen der Verzweiflung oder wohl
eher als Ausdruck der Übermacht der Verwaltung über
die gewählten Politiker auch am Potomac deuten.
Damit haben nun auch die USA ihre
Konkurrenzfähigkeit drastisch geschwächt, das
chinesische Jahrhundert dürfte mit Beschleunigung
herannahen. Was heisst das für den einzelnen
Menschen und für die einzelne Familie bei uns? Die
Antwort auf diese Frage ist, nicht unbedingt „sehr
viel Gutes“. Gewiss wird
nicht schlecht beraten sein, wer alle Schulden ohne
Ausnahme zurückzahlt und danach unter keinen
Umständen mehr irgendwelche neuen Schulden macht,
sondern vielmehr ein auch geographisch
diversifiziertes, ausserhalb der EU und der USA
gelegene Länder mit berücksichtigendes, Portefeuille
anlegt. Dies mag eine langweilige Wiederholung sein,
aber in so wichtigen Dingen ist vielleicht auch
diese Wiederholung am Platze.
Windisch, 18. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 14. Oktober 2008
Für freie Menschen und freie
Märkte!
Erwartungsgemäss ergreifen
die stark sozialistisch geprägten Staatsapparate
Europas die Gelegenheit des Tiefpunkts der
Finanzkrise, um zu einem viel zu tiefen Preis und
gegen jeden Grundsatz rationaler Ordnungspolitik die
grossen Banken zu verstaatlichen. Man kann es drehen
und wenden, wie man will, genau das haben sie
gestern getan. Das Ergebnis wird sein, dass die
Folgen der Krise viel länger andauern werden und
Europa in einem noch höheren Tempo an
weltwirtschaftlicher Bedeutung verliert. Warum? Weil
Staatsbediente keineswegs klüger sind als private
Angestellte, im Unterschied zu diesen aber die
Folgen von Fehlentscheiden persönlich kaum spüren.
Deshalb wird die durchschnittliche Qualität der
Entscheide in der europäischen Bankensphäre sinken.
Da die Entscheidqualität auf diesem Kontinent sinkt,
im Osten (China zum Beispiel) und im Westen (Kanada
etwa) jedoch nicht, verliert Europa. Bis zu einem
gewissen Grad werden wir uns in der Schweiz dieser
katastrophalen Entwicklung vielleicht entziehen
können, allerdings nur, wenn wir mit jeder Faser
unseres Seins politisch weiterhin für freie Menschen
antreten und für freie Märkte.
Windisch, 14. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 11. Oktober 2008
Was bleibt?
"Das Opfer liegt. Die Raben
steigen nieder." Die in
der Agonie liegende amerikanische Bank
Wachovia
ist kein Gessler, von welchem Schiller in seinem
Tell spricht, aber die
Situation ist die selbe: Zwei kräftige "Raben",
Wells Fargo
und
Citigroup,
machen sich über das am Boden liegende Opfer her und
verteilen die Beute. Dieses klare Zeichen, dass die
Kurse an den Börsen nun alles in allem genommen
zu tief
gefallen sind, gibt den Firmen, die bis hierher
überlebt haben, Hoffnung, und mit diesen Firmen der
Weltwirtschaft.
Was bleibt vom grossen Zusammenbruch von 2007 und
2008? Es bleiben mit Sicherheit drei äusserst
negative Phänomene, die man nur unter grossen
Anstrengungen in ein paar Jahren wieder wird aus dem
Weg geschafft haben,
- der erneuerte Drang zum Etatismus,
- die Wertverluste in den Portefeuilles der
Vorsorgeeinrichtungen und
- die Steuerausfälle des Staates.
Die Steuerausfälle
werden das Wachstum bremsen, weil sie weitere
Steuersenkungen verzögern, die
Wertverluste untergraben
das Vertrauen der Menschen in ihre Zukunft und
drücken deshalb auf den Konsum. Den grössten Schaden
aber dürfte der neubelebte
Etatismus anrichten,
denn die wieder grösseren Eingriffe des Staates in
Finanz und Wirtschaft werden das Wachstum und die
Innovation direkt bremsen, Ressourcen unökonomisch
zuteilen und das freie Unternehmertum einschränken.
Mit anderen Worten: Die grösste politische Aufgabe
bürgerlich denkender Menschen -
den Staat nicht grösser werden zu lassen, als die
Bewahrung der Freiheit der Menschen unabdingbar
erfordert - ist nicht
anders geworden, aber wesentlich schwerer.
Windisch, 11. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 7. Oktober 2008
Der Wind dreht, aber Vorsicht
bleibt das Gebot der Stunde
Die Finanzkrise hat ihren
tiefsten Punkt nunmehr erreicht. Diese Aussage
dürfen wir zuversichtlich wagen, wenn zwei
amerikanische Banken (Citi
und Wells Fargo
- diese bekannt aus den Wildwestfilmen) über die
Trümmer einer zusammenbrechenden dritten Bank (Wachovia)
streiten und markten und rechten, wenn Warren
Buffett seinen stets mit beinhartem Griff
verschlossenen Geldbeutel öffnet und für Anteile an
Goldman Sachs,
an
General Electric
und anderen Firmen mehr Milliardenbeträge ausgibt.
Damit ist freilich nicht gesagt, die Finanzwelt
werde bald wieder sein, wie zuvor. Beunruhigende
Anzeichen einer Auferstehung des tot geglaubten
Staatssozialismus sind ernst zu nehmen. Wenn der
französische Präsident nach Reformen der
Weltfinanzordnung ruft (sprich nach mehr Macht für
von niemandem gewählte aber alles besser wissende
Absolventen französischer hoher Verwaltungsschulen),
gilt es, auf der Hut zu sein. Wer es nicht glaubt,
studiere die marktfeindliche Geschichte Frankreichs
seit Louis XIV (und noch früher) und ziehe seine
eigenen Schlüsse über die Gründe für den
vergleichsweise zurückgebliebenen Stand des
Bruttosozialprodukts in unserem liebenswerten und
sympathischen, aber sehr, sehr speziellen westlichen
Nachbarland. Dies, in europäischem Ausmass
ausgelebt, wäre eine Katastrophe! Nun, es wird
vielleicht nicht zum Schlimmsten kommen, aber
Sparsamkeit, rigoroser Abbau aller Schulden und
danach Aufbau eines insbesondere auch geographisch
über die EU hinaus differenzierten Portefeuilles
wären wohl nicht die dümmsten Ideen, um für das
langfristige Wohlergehen der eigenen Familie
Vorsorge zu treffen. Denn nicht wahr: Mit dem
Billionenverlust an Gesamtwert der Weltbörsen ist
mit Sicherheit die (hoffentlich immer noch solide)
Deckung der Rentenansprüche einer alternden
Bevölkerung insgesamt auch nicht besser geworden.
Kurz: Der Wind ist am Drehen, aber Euphorie wäre
fehl am Platz!
Windisch, 7. Oktober 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 23. September
2008
Wenn Du gewonnen hast, wird es
erst gefährlich!
Erfolge lösen Freude aus.
Freude ist schön und gefährlich. Wir sind jedoch nie
ganz sicher, ob die Erfolge auch bleibenden
Charakter haben, im Grossen nicht und im Kleinen
nicht, auf den Weltfinanzmärkten nicht und im
Grossen Rat Aargau nicht, auf zwei Schauplätzen
also, mit denen sich dieser Blog von Zeit zu Zeit
befasst. Auf den Weltfinanzmärkten hat das
amerikanische Schatzamt Hunderte von Milliarden von
Dollars Steuergelder für den Erwerb von höchst
zweifelhaften Papieren verwendet, um die Märkte zu
stabilisieren. Die Folgen einer Fortsetzung der
grossen Finanzkrise wären in der Tat gravierend
gewesen. Ob sie uns erspart werden, bleibt
abzuwarten: Diese Interventionen von seit 1825 kaum
mehr gekannten Ausmassen – sie sind in ihrer
Systemwidrigkeit mehr, als was Präsident Franklin
Delano Roosevelt in der Not der Dreissiger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts als New Deal an die Hand
nahm – werden die Implosion der
Börsenkapitalisierung von Finanzanbietern vielleicht
aufhalten und vielleicht nicht. In dieser Lage ist
es für den Einzelnen und die Familien noch viel
wichtiger als bisher, Schulden (alle Schulden,
ausnahmslos) zurückzuzahlen und danach
diversifizierte Portefeuilles aufzubauen, um die
eigene Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit zu
erhöhen. Für den Aufbau bleibt die Regel stets die
alte: Man lege nicht alle Eier in denselben Korb!
Inflation ist zu erwarten, aber es sind gleichzeitig
starke Gegenkräfte am Werk und das Resultat des
Zusammenstosses ist nicht absehbar. Und im Aargau?
Der Grosse Rat hat zwar das Werbeverbot für Alkohol
aus dem Gesundheitsgesetz entfernt, aber Rückkommen
ist möglich (das Gesetz ist noch nicht zu Ende
beraten) und man mache sich über die Hartnäckigkeit
derjenigen Eiferer, die keinem Menschen sein
Feierabendbier gönnen, keine Illusionen. Es sind
zwar nur wenige (und nicht alle Gegner von
Alkoholwerbung gehören dazu), aber sie sind umso
zäher. Wachsamkeit ist deshalb weiterhin angebracht.
Windisch, 23. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
PS. Der Hauptblogschreiber befindet sich nun bis zum
6. Oktober in den Herbstferien, es wird erst danach
wieder ein Blog erscheinen. Allen Menschen, die
diese Zeilen lesen, wünsche ich persönliches
Wohlergehen und eine gute Zeit!
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 20. September 2008
David Einhorn hat gewonnen!
Das in diesem Blog intensiv
verfolgte Seilziehen zwischen David Einhorn und
Richard Fuld (15. Juli, 22. Juli, 30. August, 13.
September) ist entschieden, Einhorn hat gewonnen
(sehr viele Millionen gewonnen), Fulds Name ist nur
noch für die Finanzgeschichte relevant, seine 158
Jahre alte Firma Lehman
Brothers ist ruiniert,
die über 20'000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
sind auf der Strasse, das Vertrauen der Menschen in
den Finanzplatz USA und ins Weltfinanzsystem ist
kleiner geworden. Die erste Erschütterung war so
gross, dass der kluge John Thain an der Spitze von
Merrill Lynch,
der Bank, die als nächste ins Visier der
Leerverkäufer zu kommen drohte, seine Firma an die
Bank of America
verkaufte. Wir würden uns nicht wundern, wenn nach
einer Zwischenphase mit dem Druck auf die
Versicherung
AIG
Einhorn und seine Leute gegen
Morgan Stanley antreten
würden und wir wagen darüber hinaus die Prognose,
dass, wenn sie sich nicht beim einen oder anderen
Versuch eine blutige Nase holen, am Ende nicht
einmal Goldman Sachs
vor ihnen sicher sein wird. Was bedeutet das für die
Banken? Es bedeutet, dass es ausserordentlich
wichtig ist, die Schulden zu reduzieren und die
Kapitalgeber gut zu behandeln. Was bedeutet es für
den einzelnen Menschen und die einzelne Familie?
Zunächst, auch unter Konsumeinschränkung, die
Schulden reduzieren und danach mit eiserner
Sparsamkeit ein diversifiziertes Portefeuille
aufbauen! Hat das nicht gesamtwirtschaftlich auch
unerwünschte Konsequenzen? Bis zu einem gewissen
Grad könnte man dies zunächst denken, da solches
Verhalten aber kollektiv die Reputation eines Landes
ausmacht, sind Solidität und Sparsamkeit nicht nur
klug, sondern auch patriotisch. Soll man Gesetze
gegen Spekulanten erlassen? Das wäre das
Verkehrteste! Einhörner mögen vielleicht nicht allen
Leserinnen und Lesern besonders sympathisch sein,
sie sind aber an den Finanzmärkten so nützlich wie
die Hyänen in der Serengeti!
Windisch, 20. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 16. September
2008
Ein vernünftiger Vorschlag der
SP
Die SP schlägt vor, die
Kinderabzüge bei den Steuern zu erhöhen (Geschäft
08.157), mit Einschränkungen und Auflagen und
Bemerkungen und Kommentaren, gewiss, aber sie
schlägt es tatsächlich vor! Diesem vernünftigen,
willkommenen Vorstoss wird der Grosse Rat die
Unterstützung hoffentlich nicht versagen! Allzu oft,
am letzten Dienstag zum Beispiel, findet in Aarau ja
kaum eine wirkliche Debatte statt, sondern alle
sagen, was sie vorbereitet, stimmen, wie sie sich
vorgenommen haben. Die Linke hält die Bürgerlichen
für unverständige Schwächer des Staates, welcher in
ihren Augen stark sein muss, damit er tun kann, was
nur im Kollektiv getan werden kann. Und die
Bürgerlichen halten die Linken für unverantwortliche
Gegner der persönlichen Freiheit, die den Menschen
wegnehmen, was ihnen gehört und womit sie selber am
besten und auch für die Allgemeinheit produktivsten
umzugehen verstehen. Gleichzeitig wissen im Grunde
alle, dass so apodiktisch formuliert beide Haltungen
Vereinfachungen sind. Das Leben ist komplizierter
und alle haben die gemeinsame Verpflichtung, den
freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat auch
für die nächste Generation zu bewahren. Von Zeit zu
Zeit bricht sich diese Überzeugung Bahn, hüben und
drüben. Bei diesem Vorschlag liegt ein solcher Fall
vor: Die SP verlangt eine Steuersenkung! Man hat der
Partei vorgeworfen, sie betreibe Wahlkampf. Daran
mag etwas sein. Man hat ihr vorgeworfen, das nur zu
tun, um die vorzeitige Inkraftsetzung des
revidierten Steuergesetzes zu verhindern. Auch
hierin mag ein Körnchen Wahrheit sich finden. Doch
selbst wenn das das einzige Ziel der SP gewesen sein
sollte, und das ist wohl eine Vereinfachung, selbst
dann wäre es ein klares Eingeständnis, dass dieser
Staat überfinanziert ist! Dies ist eine höchst
erfreuliche Einsicht, eine zu unterstützende
Erkenntnis! Geben wir also einen Teil des
überschüssigen Geldes denen zurück, denen es gehört,
den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern und senken
wir die Steuern!
Windisch, 16. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 13. September 2008
Der Kanarienvogel in der
Kohlengrube
Es ist ein stimmiges
Faktum, dass die deutsche
Bergstadt Sankt
Andreasberg über ein Kanarienmuseum verfügt.
Bergleute hielten Kanarienvögel in den Kohlengruben,
um von oben nach unten sich ausbreitendes Methan
oder Kohlenmonoxid rechtzeitig festzustellen und,
sobald der Gesang des Vögelchens nicht mehr zu hören
war, die Grube noch rechtzeitig zu verlassen. Die
amerikanische Investmentbank
Lehman Brothers spielt
zurzeit diese Rolle auf den Finanzmärkten. Ihr
Börsenkurs ist auf rund 8 Dollar gesunken, von über
60 Dollar zu Jahresanfang. Noch ist, im Bilde
gesprochen, schwacher Gesang zu hören, aber es ist
Zeit, die Werkzeuge zusammenräumen (also Schulden
abzubezahlen und danach Reserven aufzubauen) um,
wenn und sobald der Gesang dann vollends verstummt,
gemessenen Schrittes Richtung Grubenausgang gehen zu
können und zu überleben!
Windisch, 13. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 9. September 2008
Dürre Äste
„Inere grosse Famili git’s
gäng es paar dürr Est.“[1]
Wir werden das nicht ändern können. Es ist ohnehin
sehr die Frage, ob es im Leben in erster Linie darum
gehe, die Dinge grundsätzlich zu ändern. Das
Bewahren dessen, was sich bewährt hat, die Pflege
des insgesamt gesunden Baumes ist vielleicht nicht
alles, aber am Ende auch nicht zu verachten.
Windisch, 9. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Schweizerdeutsche Sprichwörter, Zürich: Rascher,
1918, Seite 10.
Samstag, 6. September 2008
Musa as-Sadr
Im August 1978 reiste
der libanesische schiitische Geistliche und
Politiker Musa as-Sadr nach Libyen. Seither fehlt
von ihm jede Spur. Das libysche Regime sagte damals,
er sei nach Rom weitergereist, dort ist er aber nie
angekommen. Nun, nach - freilich unruhigen - 30
Jahren, hat der Libanon offiziell Anklage gegen
Oberst Muammar al-Qadhafi erhoben.[1]
Wenn diese, leider wohl rein symbolische, Anklage
ein wenig dazu beiträgt, dass zukünftige Diktatoren
und ihre Familien weniger Menschen verschwinden
lassen oder auch nur verprügeln, hat der Libanon
seinem alten Namen als Schweiz des Nahen Ostens in
dieser einen Hinsicht jedenfalls Ehre gemacht.
Windisch, 6. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7584557.stm,
nachgeschlagen am 4. September 2008.
Dienstag, 2. September 2008
Wachsamkeit tut Not!
Ein Blogger, ein Vertreter
der Medien, kritisiert einen Präsidenten oder
Regierungspräsidenten. Was bei uns in der Schweiz
immer noch, zum guten Glück, vollkommen harmlos ist,
wird in der Russischen Föderation von Tag zu Tag
gefährlicher. Wir erinnern uns noch sehr genau des
(mit Polonium-210 aus Sarov) vergifteten Tees, dem
der Regimekritiker und Buchautor Alexander
Litvinenko 2006 unter grauenhaften Qualen erlegen
ist, wir erinnern uns der Kugel, die in Moskau dem
Leben der Regimekritikerin Anna Politkovskaya im
selben Jahr ein Ende gesetzt hat. Wer war's? Die
Sache ist so klar wie die Sonne am Himmel. Die
Mörder sind aber mit milder Kritik weggekommen. Nun,
sie werden immer unverschämter: Am vergangenen
Sonntag hat die Polizei einen weiteren
Regimekritiker, der über kaukasische Dinge nicht
schrieb, was das Regime lesen wollte, verhaftet und
kurzerhand umgebracht. Der Mann aus Ingushetien in
der Russischen Föderation hiess Magomed Yevloyev, er
ist gestorben als Märtyrer für das freie Wort. Wenn
wir diesen Tod wieder
nicht ernst nehmen, werden die Mörder aller
Erfahrung nach
noch
dreister werden. Wachsamkeit tut Not!
Windisch, 2. September 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 30. August 2008
Einhorn 1 – Fuld 1:
Verlängerung!
Noch immer ist sie nicht zu
Ende, die grosse internationale Finanzkrise (vgl.
z.B. Blog vom 22. Juli). Die amerikanische
Investmentbank Lehman kämpft ums Überleben, will
weitere
6 % ihres Personals (1'500 Menschen) auf die Strasse
stellen und das Tafelsilber abstossen (Immobilien,
Anlagetochter Neuberger Berman). Eine Aktie kostet
gegen 15 ¾ Dollars. Der Kritiker der Firma, David
Einhorn, hat bisher nicht Unrecht bekommen und so
geht dieses sehr, sehr ernste Spiel nun in die
Verlängerung. Wir erkennen daran deutlich, dass das
Ende der Krise nach wie vor nicht absehbar ist.
Windisch, 30. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 26. August 2008
Gegenseitige Hilfe
Im Bundesbrief von 1291
steht zu lesen, weshalb es die Eidgenossenschaft
gibt: PROMISERUNT INVICEM SIBI ASSISTERE AUXILIO,
sie haben sich gegenseitige Hilfe versprochen.
Es ist schön, dass der alte, ehrwürdige Ausdruck
Eidgenossenschaft in letzter Zeit wieder zu neuer
Geltung gekommen ist. Das heisst dann allerdings
auch, dass wir alle auf Dinge Verzicht leisten
sollten, die nun gewiss alles andere sind als
eidgenössisch, zum Beispiel auf die gängig gewordene
systematische Demontage von Persönlichkeiten. Kritik
an einzelnen Handlungen ist immer erlaubt und im
politischen Bereich geradezu unabdingbar. Kritik,
richtig vorgebracht, hilft auch dem Kritisierten.
Aus der Zulässigkeit von Kritik aber das Recht
abzuleiten, einen Menschen als solchen in seinem
Wesen und seinem Sein anzugreifen, ist ganz und gar
uneidgenössisch. Nicht Niederreissen ist gefragt,
sondern Aufbau!
Windisch, 26. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 23. August 2008
Ein Unrecht und eine Dummheit
Der Grosse Rat hat die so
genannte Mehrwertabschöpfung beschlossen, angeblich
von 20 % des Mehrwerts, in Wahrheit von gegen 20 %
des gesamten Werts von neu eingezontem Land. Das ist
ein Unrecht und eine Dummheit. Es ist eine Dummheit,
weil jeder Saldotransfer aus privaten Händen in
öffentliche Hände die Durchschnittsqualität der zu
tätigenden Investitionen mindert, die vorhandenen
Mittel also unökonomischer eingesetzt werden, was
der Volkswirtschaft Schaden zufügt. Es ist auch ein
Unrecht. Denn wer hat vorher die Nichteinzonung
verfügt? Dieselbe Öffentlichkeit, welche nun über
den Willen und die Absicht und die freie Verfügung
des Eigentümers oder der Eigentümerin hinweg
schreitet, einzont und abkassiert. Gier der
allerdings unersättlichen aktivistischen Verwaltung,
Sorge, den eigenen Regierungsrat zu schwächen,
Vertrauen auf die weit verbreiteten modernen
schweizerischen Untugenden Neid, Staats- und
Novitätsgläubigkeit ("wenn
ein Gesetz neuer ist, ist es auch besser"):
Von alledem ist etwas zu spüren gewesen im Grossen
Rat und auch von der Vereinzelung der wenigen
verbleibenden Bürgerlichen
ausserhalb
der SVP-Fraktion (Urs Häni, Walter Forrer, Ursula
Zollinger, Manfred Breitschmid gehören zu den
löblichen Ausnahmen). Gewiss, das Gesetz ist noch
nicht verabschiedet, gewiss, es folgt noch eine
zweite Beratung, sicher, die Volksabstimmung kann
noch gewonnen werden! Nehmen wir aber auch zur
Kenntnis, wie enorm weit eigentumsfeindliche
Gedanken heute verbreitet sind. Wer Eigentümer so
beraubt, kann für auswärtige und ausländische
Investoren nicht auf die Dauer vertrauenswürdig
bleiben. Kämpfen wir weiter gegen dieses Unrecht und
diese unseren Kanton schädigende Dummheit an!
Windisch, 23. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 19. August 2008
Nein zu Artikel 37, Absatz 1
und Ja zu den sechs Steinkrügen!
Im Johannesevangelium wird
erzählt (Kapitel 2, 6 – 10) wie Jesus Christus das
Wasser in sechs Steinkrügen in Wein verwandelte, da
die Hochzeitsgesellschaft zu Kana keinen hatte. Man
kann zum symbolischen Gehalt dieser Geschichte
stehen, wie man will, dass an eine Hochzeit auch
Wein gehört, ist ein Teil unseres über 2000 Jahre
alten, sowohl griechisch-römischen, als auch
jüdisch-christlichen, kurz gesagt westlichen Erbes.
Die Kunstgeschichte kennt eine grosse Anzahl von
Bildern zur Hochzeit von Kana, die das
unterstreichen. Zu den schönsten dieser Bilder
gehört ohne Zweifel das Mosaik im Chora-Museum in
Istanbul, nach wie vor einer Weltstadt des Westens,
wie östlich ihre Architektur auch anmuten mag. Nun,
was bedeuten 2000 Jahre Kultur gegen die Weisheit
einer politisch korrekten Verwaltung! § 37, Absatz 1
des Entwurfs zum neuen Aargauer Gesundheitsgesetz
sagt klipp und klar: „Grossflächige
Werbung für Tabakwaren und alkoholische Getränke wie
Plakat- oder Kinowerbung ist verboten. Davon
ausgenommen sind Firmenbezeichnungen am
Geschäftssitz oder Produktionsort.“
Das heisst klar, dass beispielsweise eine türkische
Tourismuswerbung mit dem erwähnten Mosaik, das ja
den Weingenuss als etwas Positives erscheinen lässt
und also dafür wirbt, verboten werden müsste, denn
die selben Kreise, deren Eifer zu diesem Entwurf
geführt hat, werden ja ganz bestimmt auch in der
Überwachung der Anwendung aktiv werden. Dagegen gilt
es zu kämpfen, parlamentarisch, publizistisch und am
Ende auch an der Urne. Unsere Winzer und auch unsere
Bierbrauer geben jeden Tag sehr vielen Menschen ein
Stück Lebensqualität und haben den Missbrauch, der
mit jedem Getränk und jeder Speise (und sehr viel
anderen Dingen auch) getrieben werden kann, nicht zu
verantworten. Unsere Winzerinnen und unsere
Bierbrauerinnen verdienen mehr als unsere Toleranz,
sie verdienen unsere aktive Unterstützung. Also Nein
zu Artikel 37, Absatz 1 und Ja zu den sechs
Steinkrügen!
Windisch, 19. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 16. August 2008
50'000 Franken weniger und
zahlreiche Freunde mehr
Die Kandidatinnen und
Kandidaten für das Amt eines Aargauer
Regierungsrates oder eine Regierungsrätin sind
faktisch im Wahlkampf und wir sind ihnen dankbar für
die Möglichkeit einer demokratischen Auswahl, die
sie uns bieten und die immer das Wichtigste an
Wahlen bleiben wird. In diese Dankbarkeit sind
insbesondere auch jene Kandidierenden
einzuschliessen, mit deren politischem Credo wir
nicht viel anfangen können, denn eine Kandidatur ist
nicht nur mit mehrmonatigem Verzicht auf alle
Freizeit, sondern auch mit sehr erheblichen
persönlichen Auslagen verbunden. Im Falle der
vielleicht nicht ganz vergleichbaren aber immerhin
auch gesamtkantonalen Nationalratswahlen belief sich
der finanzielle Nettoaufwand in meinem eigenen Fall
auf deutlich über 50'000 Franken. Das dürfte für
einen Regierungsratswahlkampf bei weitem nicht
reichen. Das muss niemand tun und wer „Ja“ sagt zur
Kandidatur nimmt diesen Aufwand auch dann in Kauf,
wenn er keine oder sehr geringe Erfolgsaussichten
hat (wie der letztplatzierte Kandidat auf einer
Liste). Der Ertrag lässt sich aber daneben durchaus
sehen: Der Einsatz der eigenen Familie, eines halb
vergessenen Militärkameraden, der zum Freund
geworden ist, die vielen positiven Begegnungen im
ganzen Kanton bleiben unvergesslich. Diesen ganz
persönlichen Ertrag wünscht unser Blog allen
Kandidierenden ohne Ausnahme und unserem Kanton
daneben einen harten, aber stets fairen politischen
Spätsommer und Herbst!
Windisch, 16.
August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 12. August 2008
Schnell ist gebrochen, doch
langsam gebaut!
Im Habsburger Jahr (900
Jahre erste urkundliche Erwähnung, 700 Jahre
Ermordung des zweiten Habsburgers auf dem Thron des
Heiligen Römischen Reiches) wird es angehen, auch an
die Gründung der drei die Habsburg gegen Westen
abschirmenden Burgen Wildenstein, Wildegg und
Brunegg im 13. Jahrhundert zu erinnern. Am Ende
haben sie alle drei den Gang der historischen
Entwicklung nicht aufgehalten, weder den ersten,
bernisch-solothurnischen Zug nördlich der Aare vor
die Stadt Brugg und über den Bözberg nach Frick um
die Jahreswende 1388/1389 noch den zweiten
bernischen Vorstoss im Jahre 1415. Seither gehören
alle drei Häuser zur Eidgenossenschaft und wir
wollen hoffen, dass dies noch manches Jahrhundert so
bleiben möge. Wildenstein und Brunegg sind privat.
Es ist erfreulich, zu konstatieren, dass Brunegg
dieser Tage von Gerüsten umgeben ist, die
Eigentümerfamilie trägt Sorge zum Kulturgut und
dasselbe ist ähnlich auch bei Wildenstein zu
konstatieren. Wildegg ist eidgenössisch und gehört
uns somit allen zusammen. Der Spruch über dem Tor
geht daher in einem mehrfachen Sinn uns alle an und
kann in diesen politisch gesehen eher wirren Zeiten
niemandem schaden:
Erst denken – dann sagen
erst wägen – dann wagen!
Schnell ist gebrochen
doch langsam gebaut!
Windisch, 12. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 9. August 2008
Hadrian
Personenkult ist unserer
republikanischen und demokratischen Tradition fremd.
Und doch kennen auch wir als Volk eine gewisse
dauernde Bewunderung für grosse Persönlichkeiten,
etwa für die Generäle Dufour und Guisan, den
Philanthropen Dunant, den Erzieher Pestalozzi oder
die Stauffacherin und den Tell, deren Historizität
irrelevant und deren Symbolcharakter von höchster
Bedeutung bleibt. Zu den weniger beachteten, aber
bedeutenden Persönlichkeiten unserer Geschichte
gehört auch der römische Kaiser Hadrian, dem diesen
Sommer (bis zum 26. Oktober) das Britische Museum in
London eine Ausstellung der Superlative widmet, die
den Preis einer eigenen Lodonreise wert ist. Eine
vergleichbare Zusammenstellung von zum Teil ganz neu
ausgegrabenen Originalen aus der Schweiz und der
Türkei und den USA und Georgien und Israel und
zahlreichen weiteren Ländern werden wir zu unseren
Lebzeiten nicht mehr sehen. Grossartig ist auch der
Katalog[1],
der den Besuch der Ausstellung fast ersetzt. Der
Leser, die Leserin wird sehr viel sehr Lehrreiches
finden, am Lehrreichsten wohl bleibt die
sympathische und weise Grundidee der hohen und
konstanten Sorge um militärische Bereitschaft (der
Hadrianswall in Nordengland ist dafür ein imposantes
Zeugnis) bei gleichzeitigem prononciertem
Friedenswillen.
Windisch, 9. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Thorsten Opper,
Hadrian,
London: The British Museum,
2008, ISBN 978-0-7141-5069-7
Dienstag, 5. August 2008
Photoshop mit der Geschichte?
Eine
ganze Reihe von bisher an sich eher ernst zu
nehmenden Publikationen haben seit einiger Zeit
begonnen, die Aggressivität der Sowjetunion und
ihrer Satelliten in den Zeiten des Kalten Krieges
(1945 bis 1991) so stark herunterzuspielen, dass die
zwei naheliegendsten Erklärungen dafür sind, dass
es einerseits darum gehe, störende Fakten aus der
ideologisch bereinigten europäischen
Einheitsgeschichte zu entfernen und andererseits die
Forderung nach Rechenschaft der totalitären Planer
jener düsteren Epoche zum Verstummen zu bringen. Mit
den Fakten hat dieses Verschwindenlassen von
gesicherten Zusammenhängen jedenfalls wenig zu
tun.Was wissen wir bereits von den real
existierenden Bedrohungen der Epoche 1961 bis 1991?
Genug, um definitiv feststellen zu können, dass die
Arbeit an unserer schweizerischen Wehrhaftigkeit
nicht überflüssig war. Im kommunistischen Osten
Europas wurde im Kalten Krieg Louis Fürnbergs Lied
"Die Partei, die Partei, die
hat immer Recht!“
gesungen.
Wer
solche Lieder singt, wer der Illusion verfallen ist,
immer Recht zu haben, wer seine Gegner als dumm oder
schlecht ausgrenzt, mit dem ist ein Friede nicht
wirklich möglich, der Waffenstillstand ist das
Höchste, was sich erreichen lässt. Der Ausdruck
Kalter Krieg
ist denn auch sehr treffend. Er war in der Schweiz
auch nicht einmal immer kalt. Ein ganz konkretes
Beispiel, es erträgt, ja es fordert die
Wiederholung: Im "Eröffnungsbericht zum Anlegen des
zentralen Operativ-Vorganges <Leopard>"
des Ostberliner Ministeriums für Staatssicherheit
vom 7. September 1976 ist beispielsweise zu lesen,
Ziel sei die "Zersetzung
und Zerschlagung der Bande".
Am 5. Februar 1979 lag in Zürich der Fluchthelfer
Hans-Ulrich Lenzlinger in seinem Blut und, nach
einer längeren Nachbereitung, stellte man in
Ostberlin am 12. Dezember 1983 amtlich fest,
Lenzlingers Organisation und deren Nachfolgerin
seien aufgrund "zielgerichteter
politisch-operativer Massnahmen zerschlagen"
worden.[1]
Das war die Arroganz des Kommunismus in der
Naherwartung der Weltrevolution. Gläubige Afghanen,
unterstützt von einem in der Amtszeit von Ronald
Reagan wieder an Rückgrat gewinnenden Amerika,
setzten den Weltrevolutionsträumen dann eine, wie
sich weisen sollte, endgültige Grenze.[2]
1989 verliessen die letzten sowjetischen Soldaten
das Bergland am Hindukusch, 1989 fiel auch die
Berliner Mauer, 1991 wurde die Sowjetunion selbst
Geschichte. Herat und Kabul hatten sich für die
Sowjetunion als das erwiesen, was Homer Lea 1912,
also vor dem Entstehen des Leninschen Staates,
prophezeit hatte, "NARROW
EXITS THROUGH WHICH NATIONS, LIKE MEN, PASS TO
RETURN NO MORE". Gewiss,
es wäre für eine Gesamtwürdigung der letzten Phase
des Kalten Krieges nötig, weitere weltgeschichtliche
Persönlichkeiten einzubeziehen wie den aus Polen
stammenden Papst Johannes Paul II, auf den 1981
nicht umsonst ein Attentat mit klarem
bulgarisch-kommunistischem Hintergrund verübt wurde.
Afghanistan aber war entscheidend. Bis die Sowjets
geschlagen über den Oxus abzogen, blieb die Schweiz
in ihrem Fadenkreuz: Wir wissen dank Jan Sejna[3],
dass Rodion Jakowlewitsch Malinowski (sowjetischer
Verteidigungsminister 1957 bis 1967) im Falle eines
Krieges einen strategischen Überfall auf die Schweiz
mit einplante. Wir wissen dank Vasili Mitrokhin[4],
dass der sowjetische Geheimdienst KGB bis in die
Achtziger Jahre Operationen in der Schweiz sowohl
durchführte als auch plante, bis hin zu Anschlägen
auf den Oleodotto del Reno, um den Bodensee zu
verschmutzen und von Entwicklungen in Osteuropa
abzulenken. Wir wissen, die Kapelle von Belfaux im
Kanton Freiburg ist unsere Zeugin, dass die
sowjetischen Dienste die illegale Arbeit in der
Schweiz für die Zeit nach dem Kriegsausbruch
intensiv vorbereiteten. Wir wissen dank Edgar
Schuler, dass der sowjetische und der
tschechoslowakische Generalstab je separate
Kartensätze 1:50'000 für die ganze Schweiz drucken
und ausserdem Spezialkarten anfertigen liessen[5].
Wir wissen dank Hans Peter Höhener, dass auch Ungarn
solche Karten produzierte. Wir wissen dank Peter
Veleff[6],
dass die Schweiz in ihrem Nordteil - gemäss dem
Militärgeographischen Atlas der NVA von 1981 zur IV.
oder Bayrischen Operationsrichtung, südlich der
Linie Rorschach-Zürich-Neuchâtel aber zur V. oder
Alpenländischen Operationsrichtung gehörte. Daraus
ergeben sich keineswegs abschliessende historische
Feststellungen. Dafür ist es zu früh. Die
detaillierten Operationspläne der Sowjets, aber auch
der NATO-Staaten stehen uns zum Beispiel noch nicht
zu Gebote. Immerhin können wir aber feststellen,
dass von der üblichen nachrichtendienstlichen
Tätigkeit ganz abgesehen militärische Operationen
gegen die Schweiz und unter Verletzung der
schweizerischen Hoheit konkret vorbereitet wurden.
Dass
ein permanent neutraler Staat eine völkerrechtliche
Pflicht hat, drohende Angriffe auf seine Neutralität
abzuwehren, liegt auf der Hand.
Wie diese Abwehr 1961
bis 1991 konkret vorbereitet wurde, wird ein Buch,
das Divisionär Louis Geiger, ein Veteran der
schweizerischen Sicherheitspolitik, plant, in
Zukunft zeigen. Das Land nicht in schlechterer
Verfassung zu hinterlassen, als wir es angetreten
haben, politisch, moralisch, militärisch,
ökonomisch, ist die Aufgabe unserer Gegenwart, jeder
Gegenwart. So gilt das mehr als ein Jahrhundert alte
Mahnwort von Elisabeth von Steiger-Wach immer noch.
Es ist am Gewölbe von Sigriswil zu finden, wo die
Freiheitsbriefe der Berner Oberländer Gemeinde vor
Feuer geschützt wurden, aber es verpflichtet uns
alle jeden Tag neu:
"Der
Sigriswiler alte Freiheitsbriefe ich bewach',
die Freiheit selber zu erhalten, das ist eure Sach!"
Stechelberg, 5. August 2008 Jürg
Stüssi-Lauterburg
[1]
Zum ganzen Vorgang: Joel Blunier, Aktenzeichen <Lenzlinger>
ungelöst, Bern: Bibliothek am Guisanplatz, 2008,
ISBN 3-906969-27-4.
[2]
Paul Bucherer-Dietschi, Albert Alexander Stahel,
Jürg Stüssi-Lauterburg, Strategischer Überfall -
das Beispiel Afghanistan, I. und II.
Teilband, Liestal: Bibliotheca Afghanica,
1991 und 1993, ISSN 0250-8249 (Nummern 9 und
10).
[3]
Jan Sejna, We Will Bury You, London: Sidgwick &
Jackson, 1982, ISBN 0283988622.
[4]
Vasili Mitrokhin, The Sword
and the Shield, New York: Basic Books, 1999,
ISBN 0465003109.
[5]
Matthias Kuster und andere, Blautanne, Beilage
zur ASMZ Nr. 2, Frauenfeld: Huber, 2003,
ISSN
0002-5925.
[6]
Peter Veleff, Angriffsziel Schweiz?, Zürich:
Orell Füssli, 2007, ISBN 978-3-280-06101-5.
Samstag, 2. August 2008
2. August: Der schwerste
vaterländische Tag!
Der schwerste vaterländische Tag ist der 2. August,
wenn die Reden verklungen sind und die Umsetzung
beginnen sollte. Nun, heute ist Samstag und da wird
es erlaubt sein, das gestern (in meinem Fall in
Wölflinswil) Gesagte noch einmal Revue passieren zu
lassen:
"Und hüt? Mier xend, wie pMacht uf de Wält in Oschte
sich verschiebt, wie China tUSA ablöst. Es wird no
lang gaa, es wird Rückschlääg gää, Amerika bliibt is,
Gott sei dank, erhalte, und doch isch klaar, das es
föifmaal so iiwonerriichs Land uf tTuur gar nüd
anders chan als es föifmaal chliiners a Macht
z'überhole und mier gschpüüred, vo de Düngerpriise
bis zum Chupfer, jetz scho der enormi färnöschtlichi
Soog und sini Uuswürkige. Daas chömer nüd ändere,
was mer aber chönd, isch, dur en intelligänti oder
weniger intelligänti Politik pFolge für öisi Schwiiz
als Ganzes verträäglicher mache oder weniger
verträäglich. Wämmer mier nüüt dier nüüt
Agraarfreihandel iifüered, putze mer öise
Puureschtand ewäg und wärded vollkomen erpressbaar.
Isch daas gschiid? Wämmer de Banken unerträglichi
Äigemittelvorschrifte mached, verleggets iri
Hauptquartier über churz oder lang uf Singapur,
seggs tiräkt oder in Form vonere Übernahm. Isch es
gschiid, si z'vertriibe? Wämmer de Grundsatz vo de
nationaalen Erschöpfig abschaffed und Parallelimport
vo Medikamänt zuelönd, gits ekän Grund meh für die
bäide grosse Pharmakonzärn, zBasel z'bliibe. T'Wält
isch gross. Isch es gschiid, de Schwiizer Sitz vo
zwäi vo de letschte drüü Firmene z'gfährde, wo no
über 100 Milliarde Franke wärt sind? Wämmer bim
öffentliche Verchehr im Kantoon Aargau de ländlich
Ruum vernachlässiged, undergrabe mer tLäbesqualität
vom ganze Kantoon willmer enere Zäntrumschimääre
nahlaufed! Isch so öppis gschiid? T Lischte chönt
verlengeret wärde. Uf de Punkt praacht wär de
Schluss, me söll e chlii weniger a dem näggele, wo
tuet, wo sich bewährt hät, e chlii meh duretänke und
nüd immer nuur ales aatänke, was m en us den
Amtsschtuben uselaht, und vor alem de Mänsche, de
Familie, de Gmäinde, de Schuele, de Bezirk, de
Firmene dur Maasshalte bi Vorschrifte, Schtüüren und
Abgabe und unerträäglichen Iimischige dää Ruum lah,
wo's bruuched zum Schnuufe, zum Läbe, zur Entwicklig!
Ja und was häisst jetz daas für de schwäärscht vo
alne vatterländische Tage, für de 2. Auguscht? Es
häisst, das mer a alne Abschtimigen und Wahle söled
täilnäh, sGscheh aktiv und kritisch verfolge, luege,
das mer wäder sälber no als Familie, Gmäinde,
Bezirk, Firmene öpperem leschtig faled, mit äim Wort
di unvergliichlichi Schwiizer Freihäit i de
Verantwortig läbed."
Windisch, 2. August 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 29. Juli 2008
Schatten der Vergangenheit
Von allen totalitären
Systemen ist der europäische Kommunismus am
weichsten gefallen. Eine breit angelegte Bestrafung
der Mörder und Folterer ist nicht erfolgt. Nun,
hierzu ist mit Kipling zuversichtlich auf eine
andere Instanz jenseits dieser Welt zu hoffen: "The
Lord shall deal with them!"
Das heisst nun aber nicht, dass wir die
kommunistischen Verbrechen aus der
Geschichtsbetrachtung ausblenden sollten, wie es
heute in einem gewissen Ausmass tatsächlich
geschieht. Deshalb sei von Zeit zu Zeit an die eine
oder andere Episode aus dem, gar nicht so kalten,
Kalten Krieg erinnert, als jenseits des Eisernen
Vorhangs Louis Fürnbergs Lied gesungen wurde:
"
Die Partei, die
Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei.
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweisst,
Die Partei, die Partei, die Partei.
"
Nun, wer damals Menschen zur Flucht aus der
kommunistischen Tyrannei verhalf, lebte gefährlich.
Der von Zürich aus tätige Hans-Ulrich Lenzlinger
geriet ins Fadenkreuz des Ministers für
Staatssicherheit der DDR Erich Mielke, welcher 1976
die "Zersetzung und
Zerschlagung" der "Kriminellen
Menschenhändlerbande" um
Hans-Ulrich Lenzlinger anordnete. Am 5. Februar 1979
wurde dieser in Zürich ermordet. In einer gut
dokumentierten Broschüre[1]
zum unaufgeklärten Fall hat Joel Blunier
zusammengetragen, was wir immerhin schon wissen
können und damit unseren Dank verdient. Es geht ja
wirklich nicht an, einen alten Mord einfach unter
den Teppich zu kehren, weil der Ermordete eine
problematische Persönlichkeit gewesen ist und der
Kommunismus mit einer Art postumer Aureole umgeben
werden soll!
Windisch, 29. Juli
2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Joel Blunier, Aktenzeichen "Lenzlinger"
ungelöst, Bern: Bibliothek am Guisanplatz, 2008,
ISBN 3-906969-27-4
Samstag, 26. Juli 2008
Ausgrenzung
Eine der alten Methoden der
Classe Politique
ist, ihre politischen Gegner auszugrenzen. Zu denken
ist dabei nicht an vollkommen normale Kritik an
dieser oder jenen Entscheidung einer Partei oder
deren Stil in dieser oder jener Frage, sondern eine
pauschale Abstempelung, zum Beispiel als "rechtsbürgerlich"
oder "rechtsextrem".
Entsprechend der internationalen Vernetzung der
Classe Politique
ist eine ganze Literatur im Entstehen, in welcher
die demokratische Schweizerische Volkspartei
routinemässig unter "rechtsextrem"
subsumiert wird. Ein jüngeres Beispiel ist der
Nordire Paul Hainsworth, der auf dem Vorsatzblatt
seines jüngsten Buches "The
Extreme Right in Western Europe"[1]
auf der vierten Zeile von "legacy
of the Nazi era"
schreibt und unter anderem auf den Seiten xii, 3, 6,
18, 25, 44, 45, 48, 74,77, 84, 85, 92, 99, 100, 101,
109, 111, 112, 117 teils mit, teils ohne
Namensnennung von der SVP schreibt und diese
systematisch als rechtsextrem erscheinen lässt. Die
paar Einschränkungen sind
sehr
kleine Feigenblätter, welche die
Wissenschaftlichkeit des Werkes bewahren
sollen, aber dazu ganz
ungeeignet sind. Nun sind wir Anhänger der freien
Forschung. Es wäre verkehrt, auf einem anderen Weg
als auf dem Weg der freien Rede gegen diese neue
Ausgrenzungs- und Abstempelungsliteratur
anzukämpfen. Gleichzeitig wäre es auch falsch, die
systematische Herabsetzung und Ausgrenzung auf die
leichte Schulter zu nehmen. Hier geht Ungutes vor
sich, das es im Auge zu behalten gilt.
Windisch, 26. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Paul Hainsworth, The Extreme Right in Western
Europe, Milton Park, Abingdon, Oxon: Routledge,
2008, ISBN 978-0-415-39682-0.
Dienstag, 22. Juli 2008
Einhorn 0 - Fuld 1
Vor einer Woche erschien
der Blog "David Einhorn
gegen Richard Fuld", der
Börsenkurs von
Lehman Brothers
oszillierte um 13 Dollars, eine
Woche später finden wir ihn um 19 Dollars. Die erste
Halbzeit ist also klar von Richard Fuld für sich
entschieden worden. Die amerikanische Börsenaufsicht
SEC hat ihm dabei massiv geholfen, hat sie doch
kurzerhand ungedeckte Leerverkäufe in gewissen
Titeln, darunter
Lehman Brothers,
verboten[1].
Ob es bei diesem Ergebnis bleibt, hängt davon ab, ob
die neu aufgekommene Euphorie für Finanzwerte
anhält. Hoffen wir es, auch im Interesse des
schweizerischen Bankenplatzes!
Windisch, 22. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 19. Juli 2008
Loo, Roos, Vogelhärd,
Hochwacht?
Flurnamen spiegeln die
Geschichte der Heimat und die Lebensweise der
Vorfahren. Flurnamen sind lebendiges Kulturgut,
dessen vollen Wert derjenige und diejenige
ausschöpfen, welche die Herleitung kennen. Da hilft
das reich illustrierte Bändchen "Bättelchuchi
und Vogelhärd"[1]
weiter. Dem Thurgauer Namenbuch zu verdanken, einer
Pioniertat eigenen Rechts, erklärt die Arbeit Peter
Bretschers über 50 verbreitete Flurnamen und
illustriert ihre Etymologie. Beispiele gefällig?
Nun, "Loo"
ist die gestampfte und gemahlene Rinde von Eichen
und Fichten, ein Gerbstoff für die Verwandlung von
Tierhäuten in Leder, "Roos"
eine Grube nahe einem Bach, in welcher Hanf- oder
Flachspflanzen eingelegt werden, um sie vom
Pflanzenleim zu befreien und so zur Tuchgewinnung
tauglich zu machen, "Vogelhärd"
haben alle Menschen gesehen, die schon auf Malta
gewandert sind, es handelt sich um eine in unserem
Vaterland nur als Erinnerung überlebende flächige
Fangvorrichtung für Zugvögel. "Hochwacht"
belegt, dass unsere militärische Tradition der Miliz
voraussetzt, dass die Armee rechtzeitig mobilisiert
wird und dass das ausgeklügelte System von Chutzen
oder Hochwachten spätestens seit dem 17. Jahrhundert
und bis ins 19. Jahrhundert dieses Faktum in der
Schweiz dokumentierte. Mit der vielleicht einzigen
Ausnahme von Langnau im Emmental sind freilich die
Hochwachten verschwunden, umso wichtiger ist, dass
die Erinnerung in den Flurnamen nachlebt!
Windisch, 19. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
[1]
Peter Bretscher,
Bättelchuchi und Vogelhärd, Flurnamen und
Alltagskultur,
Frauenfeld, Stuttgart,
Wien: Huber, 2008, ISBN 978-3-7193-1483-5
Dienstag, 15. Juli 2008
David Einhorn gegen Richard
Fuld
David hat gegen Goliath
gesiegt. Ob David Einhorn, der Chef eines kleinen
Hedge Funds
mit rund 25 Mitarbeitenden, die von Richard Fuld
geführte Investment Bank
Lehman Brothers
in die Knie zwingen wird, muss sich weisen.
Jedenfalls verraten die enormen Kursverluste bei
Lehman und die hohen Versicherungsprämien gegen den
Wertverlust von Lehman-Anleihen, dass ein
entscheidender Kampf unmittelbar bevorsteht. Wer
weiss, ist er bei Erscheinen des Blogs bereits
entschieden. Wer immer von beiden verliert, es
dürfte der letzte grosse Verlierer der gegenwärtigen
Finanzkrise sein.
Windisch, 12. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 12. Juli 2008
Nützen wir den Tag!
Unter uns, um uns herum
steht eine enorme Lebenserfahrung bereit, die wir
vielleicht nicht genügend heranziehen. Gut, an
eigene richtige und falsche Entscheide denken wir
noch oft zurück, aber wie steht es mit der Weisheit
der Senioren und Seniorinnen, einem Schatz, der mit
etwas gutem Willen allen zur Verfügung steht, die
sich von Zeit zu Zeit eine Stunde für einen Besuch
im Altersheim oder im Haus von Angehörigen der
älteren Generation nehmen? Gewiss, einiges von dem,
was wir dort hören, ist nur historisch interessant:
General Guisan gesehen, Bundesrat Minger gehört zu
haben, vermittelt, wenn ältere Menschen diese
Erinnerungen teilen, historische Tiefe und dasselbe
gilt von Familienangehörigen, deren Gräber schon
aufgehoben sind, mit denen uns aber noch immer ein
dünner Faden der lebendigen Erinnerung verbindet.
Wer von einem Zeitgenossen (Pfarrer Fritz Fröhlich,
Brugg) gehört hat, die grosse Grippe von 1918 sei
gewesen "wie pPescht",
wer von einem anderen Zeitgenossen
(Oberstkorpskommandant Fritz Wille, Gümligen)
erfahren hat, wie seine Schwadron 1939 in der vor
kurzem nun abgebrochenen Windischer Markthalle
mobilisierte und von dort nach Aarau und weiter auf
die Staffelegg und der Armeestellung entgegen ritt,
wird es nicht mehr vergessen. Diese Woche ist, in
Nassau auf den Bahamas, Sir John Templeton
gestorben, der durch kluge Investitionen zu
Wohlstand und durch verantwortungsvollen Umgang mit
seinem Reichtum zu Ansehen gelangte. Sir John sagte
2004 einem Journalisten, die Summe seiner
Erkenntnisse aus 45 Jahren Anlagepraxis sei,
einerseits geographisch zu diversifizieren und
andererseits bescheiden zu bleiben. Bescheidenheit
ermögliche dem Menschen, sorgfältiger und weiser
zuzuhören. Von Fröhlich, Wille, Templeton gilt, dass
wir ihnen keine Fragen mehr stellen können, sie sind
im vollen Wortsinn Geschichte geworden. Viele aber
haben wir noch um uns, andere werden wir in Zukunft
um uns haben, wenn die abgeklärte Weisheit des
Alters sie milder und offener gestimmt hat und der
Verstand doch noch ganz wach ist. Da gilt wohl für
uns alle: Nützen wir den Tag!
Windisch, 12. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 8. Juli 2008
Das Ende des Anfangs?
Selbst die grösste
Finanzkrise ist kein Krieg. Und doch kann sie
weitreichende Folgen nach sich ziehen. Es ist
deshalb so verkehrt nicht, in militärischen
Analogien zu denken. Da mag es angehen, hier und
heute festzustellen, dass die Krise noch nicht zu
Ende ist, dass noch nicht einmal der Anfang des
Endes festzustellen ist, wohl aber, um einen
Ausdruck von Winston Churchill zu entlehnen,
vielleicht das Ende des Anfangs. Warum? Der
allgemeine Konsens, von der letzten
Sonntagszeitung
bis zum gestrigen
Wall Street Journal
ist so negativ, die Bewertung der Papiere der
Grossbanken so tief, dass von hier aus der Weg nur
entweder zum Zusammenbruch einer weiteren Grossbank
oder aber zum allgemeinen Aufschwung führen kann.
Nun ist ein Crash möglich - Luzi Stamms Weckruf war
nötig - es könnte sich aber auch - wenn schon - um
den Zusammenbruch eines auf Baisse spekulierenden,
Bankenpapiere leer verkaufenden Hedge Funds handeln.
Nach dem nächsten grossen Zusammenbruch spätestens
werden wir die Kesselsohle erreicht haben und von
der Kesselsohle führt der Weg in alle Richtungen
aufwärts. Freilich wird dann auch die Zinskurve nach
oben zeigen, weil Inflationsgefahr besteht.
Diejenigen, welche die Krise durchstehen, werden
profitieren. Bei einem gut diversifizierten
Portefeuille oder in einem fast oder ganz
schuldenfreien Zustand dürften die verbleibenden
Gefahren für die finanzielle Gesundheit einer
Familie begrenzt sein.
Windisch, 8. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Samstag, 5. Juli 2008
„La propriété, c’est le vol!“
Der bekennende Anarchist
und Freund Karl Marx’, Pierre-Joseph Proudhon (1809
bis 1865) prägte das Wort, das Eigentum sei der
wahre Diebstahl: „La
propriété, c’est le vol!“
Den Ausspruch wird besser verstehen, wer sich die
extremen gesellschaftlichen Spannungen Frankreichs
zu Lebzeiten Proudhons vergegenwärtigt. Ausserdem
hat der politische Denker im Laufe der Zeit weitere
Aspekte des Eigentums, insbesondere als Gegengewicht
gegen die Allmacht des Staates, zu würdigen gelernt.
Aber wie so oft, hat auch in diesem Fall das
Schlagwort ein Eigenleben angenommen und – zusammen
mit anderen Elementen der anarchistischen und
kommunistischen Ideologien - seine katastrophalen
Auswirkungen gezeitigt, von denen die mörderischen
Kollektivierungen des 20. Jahrhunderts die
furchtbarsten sind. Darüber sind wir hinweg! Sind
wir darüber hinweg? Nach Sitzungen wie der letzten
Sitzung des Aargauer Grossen Rates vor den
Sommerferien, in dem die Wohlhabenden von linker
Seite wieder unter Generalverdacht gestellt wurden,
muss die Frage erlaubt sein. Solange wir nicht
sicher sind, dass Proudhon endgültig ins Museum
gewandert ist, bleibt auch zum Schutz des Eigentums
hohe Wachsamkeit ein Gebot der Stunde. Das Eigentum
werden wir allerdings mit Gewissheit dann am besten
bewahren, wenn wir an den Zeitgenossen von Proudhon
denken, an den Schotten Thomas Drummond (1797 bis
1840), welcher den Grundbesitzern von Tipperary ins
Stammbuch schrieb: „Das Eigentum hat Pflichten, wie
es Rechte hat.“ – „Property
has its duties as well as its rights.“
Windisch, 5. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Dienstag, 1. Juli 2008
Warum die Grossräte weder
Grundsatz- noch Grundentschädigung erhalten sollen!
Die Aargauer Zeitung weiss
Sonderbares zu berichten[1]:
„Grundsatzentschädigung
für
Grossräte gefordert. Die Grossratsmitglieder des
Kantons Aargau sollen eine
Grundsatzentschädigung erhalten. Jedes Mitglied soll
jährlich 5000 Franken Entschädigung
erhalten. Dies würde zu Mehrausgaben von 700 000
Franken führen. Die Kommission
Allgemeine Verwaltung (AVW) hat den Bericht und
Entwurf zur Änderung des
Geschäftsverkehrsgesetzes verabschiedet, der die
Rechtsgrundlage für eine
Grundentschädigung von 5000 Franken im Jahr für
Grossrätinnen und
Grossräte bildet, teilte der Grosse Rat des Kantons
Aargau mit.“
Die Zeitung hat sich offenbar schwer getan, ob die
Grossräte und Grossrätinnen nun
grundsätzlich
eine Entschädigung oder eine
Grundentschädigung
erhalten sollen. Nun,
auf die Gefahr hin, im Ratssaal unpopulär zu werden:
Weder das eine noch das andere!
Wenn der Kanton zu viel Geld hat – und wir halten
bekanntlich entschieden
nicht
dafür,
dass dem so sei, aber setzen wir die einmal voraus –
dann soll er dieses Geld in Form
von angepassten Sitzungsgeldern der messbaren
Leistung, der tatsächlichen Erfüllung
der gesetzlichen Pflicht, an den Grossratssitzungen
teilzunehmen, zuordnen.
Auch dann ist angesichts von in ihre Privatgeschäfte
abgetauchten, über ihre
Laptops gebeugten, physisch anwesenden und geistig
abwesenden Mitglieder und anderen
Erscheinungen mehr zu fragen, ob es die dringendste
Aufgabe des Kantons sei, durch das
Ausschütten eines Geldsegens über die Mitglieder des
Grossen Rates diese für die Anliegen
der Verwaltung und der Regierung milder zu stimmen.
Wohl kaum! Dagegen ist vielmehr
entschiedener Widerstand zu leisten!
Windisch, 1. Juli 2008
Jürg Stüssi-Lauterburg
Blog-Einträge vom Januar - Juni 2008
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