BLOG-EINTRÄGE

 

Samstag, 20. Dezember 2008

Dank

Die Leserinnen und Leser dieses Blogs geben dem Geschriebenen den Wert. Dafür danke ich im Namen aller Blogschreiber herzlich und wünsche frohe Festtage und ein glückliches Jahr 2009!

Der Blog wird am 6. Januar 2009 wieder erscheinen und über neue Herausforderungen und neue Kämpfe zu berichten wissen. Bis dahin mag uns der Gedanke des die Natur so wunderbar beobachtenden Dichters Rudolf Burger[1] begleiten:

 "Es will's wagen

Das Vöglein lag geborgen im warmen Nest.

Nun sitzt es zitternd auf einem Ast,

ein braunes Kügelchen aus Flaum.

Sein kleines Herz pocht laut.

Den Funken des Lebens weiter zu tragen

ist ihm aufgetragen und es will's wagen.

Rudolf Burger"

Windisch, 20. Dezember 2008           Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] Rudolf Burger, Bis der neue Tag anbricht, 5736 Burg: Eiche-Verlag, 2008, Seite 5.


Dienstag, 16. Dezember 2008

Gold

 Inflation ist vorab ein monetäres Phänomen. Die enorme Aufblähung der Geldmenge in den grossen Volkswirtschaften wird deshalb, da die Kaufkraft nicht rechtzeitig und nicht vollständig abgeschöpft werden kann, in wenigen Jahren zu hoher Inflation führen. Wie gross diese sein und wie lange sie andauern wird, ist einerseits eine wissenschaftliche, andererseits eine politische Frage. Hans J. Bocker geht dieser Frage in einer unorthodoxen Kampfschrift[1] für Gold als Währung nach. Das flüssig geschriebene Werk fordert immer wieder zum Widerspruch heraus, regt aber gleichzeitig zum Nachdenken an. Über das Vergängliche und über das Fragwürdige ("die fünf reichsten Gruppierungen der Menschheit: Auslandchinesen, Juden, Auslandarmenier, Mormonen und Scientologen", Seite 49) hinaus findet sich Solides und Verlässliches. So falsch ist die Drei-Speichen-Regel (je ein Drittel des Vermögens in Wertpapieren, Land und Edelmetallen anzulegen) ja nicht, wenigstens für Leute, die etwas anzulegen haben. Andere Leser werden sich Sparsamkeit vornehmen und vorläufig mit Theodor Fontane schliessen:

" So reich sein, das könnte mich verlocken - Sonst bin ich für Brot in die Suppe brocken."

Wer glaubt, er wisse Bescheid auf den Märkten, lese dieses sauber gedruckte und gebundene Buch (was heutzutage erwähnenswert ist) und teste seine Selbstsicherheit. Vielleicht bleibt sie ihm sogar erhalten!

Windisch, 16. Dezember 2008                    Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] Hans J. Bocker, Gold, Bern: Verlag Johannes Müller (Neuengasse 38), 2008, ISBN 978-3-9523315-1-4

 


Samstag, 13. Dezember 2008

Damian Green

Dass im Mutterland aller Parlamente, im Vereinigten Königreich, ein oppositioneller Unterhausabgeordneter verhaftet und während neun Stunden im Polizeigewahrsam bleiben kann, nur weil er bekannt machte, was die Regierung, um eigene Mängel zu verdecken, geheim halten wollte, ist eine Überraschung. Für ganz so dekadent hätte dieser Blog London denn doch nicht gehalten. Nun, die Wähler werden wohl der Arroganz der Macht die Quittung geben, sie tun es in der Regel früher oder später. Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, aber sie mahlen gut. Jedenfalls hat sich Damian Green, dies der Name des vorübergehend verhafteten Parlamentariers, nicht einschüchtern lassen, sondern nach seiner Freilassung erklärt: "I have, many times, made public information that the Government wanted to keep secret. Information which the public has a right to know. In a democracy opposition politicians have a duty to hold the Government to account. I was elected to do precisely that, and I will continue to do so."[1] Sinngemäss: Wo die Öffentlichkeit ein Recht auf Information hat, ist es nicht an der Regierung, diese Information zurückzuhalten. In einer Demokratie muss die Opposition die Regierung zur Rechenschaft ziehen, dafür bin ich gewählt worden und das werde ich weiterhin tun. Solche Worte könnten auch für unser Land und unseren Kanton schneller mehr Bedeutung erhalten, als wir selbst heute für möglich halten.

Windisch, 13. Dezember 2008                Jürg Stüssi-Lauterburg 

[1] http://www.damiangreen.org/, nachgeschlagen am 8. Dezember 2008.


Dienstag, 9. Dezember 2008

Deflation? Inflation!

Der Ölpreis ist um mehr als 100 Dollar pro Fass gesunken, von über 147 Dollar auf unter 45 Dollar. Das spüren wir in diesem Land nur in einer abgeschwächten Weise, weil Steuern, Abgaben, Raffinierungs- und Verteilkosten zusammen heute schon einen grösseren Einfluss auf den Pumpenpreis haben als der Rohstoff. selbst. Und doch ist eindeutig auch für den Konsumenten eine Entlastung eingetreten, die mit weiteren Preisrückgängen primär im Bereich der Lebensmittel einhergeht. Schon macht das Wort der Deflation erneut die Runde und eine Spirale von Preissenkungen als Auslöser und Begleiterscheinung einer grossen Krise ist in die Zeitungskolumnen geraten. Eine Deflation, eine, die den Namen verdient wenigstens, ist jedoch eher unwahrscheinlich, denn die Milliarden, mit welchen die Regierungen in West und Ost um sich werfen, um marode Banken zu stützen, die besser liquidiert würden, um besser gerüsteten und damit der Wirtschaft mehr nützenden Konkurrentinnen Platz zu machen, diese Milliarden werden uns einholen, in Form einer riesigen und globalen Inflation. Sie wird ein, zwei, drei Jahre auf sich warten lassen, aber sie wird kommen und, wie immer, die Sparguthaben und den Bargeldbesitz einer ungerechten Steuer unterwerfen. Denn Inflation ist nichts anderes als Umverteilung der Ansprüche auf die Gesamtmenge der vorhandenen Güter und Dienstleistungen. Können wir dies aufhalten? Nein, die Schüsse sind aus dem Rohr, beobachten wir in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren wo sie niedergehen!

Windisch, 9. Dezember 2008     Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 6. Dezember 2008

Alles Gute, Schönwetterfreunde!

Alles hat sein Gutes, auch ein schwieriges Wegstück wie dasjenige, auf dem die SVP zurzeit sich befindet. Es gibt plötzlich Leute, die nicht mehr dazu gehören wollen. Es sind wenige, aber es gibt sie. Was sollen wir tun? Lassen wir sie ziehen, bleiben wir bei unseren Grundsätzen – der Unabhängigkeit des Vaterlandes und der Freiheit seiner Bürgerinnen und Bürger – wie bisher und bewahren wir die traditionelle Toleranz gegenüber anderen Meinungen. Kritik gehört innerhalb der Partei genau so zur Qualitätssicherung wie ausserhalb. Nun, wie gesagt, es gibt einzelne Austritte. Wir verlieren Menschen in unseren Reihen, das ist immer unwillkommen, aber wir bleiben uns selber treu und das ist in unruhigen Zeiten besonders wichtig. Wer findet, der Weg sei ihm zu schwierig oder das Wetter zu schlecht, mag ziehen, mit unseren besten Wünschen.

Windisch, 6. Dezember 2008                 Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 2. Dezember 2008

Unmöglich kann Europa länger zusehen…

Bayern verbietet seinen Handwerksgesellen, im verdächtigen Kanton Bern auf Wanderschaft zu gehen, ja Österreich bricht die diplomatischen Beziehungen zum Kanton Bern ab! Handelt es sich um eine neue Episode aus der humoristischen Welt Herr Hürzelers[1]? Weit gefehlt! Die Realität von 1834 war für die Betroffenen bitterer Ernst und die vorliegende Arbeit Josef Inauens[2] zeichnet sich durch höchste Seriosität aus.  Der Autor entführt den Leser in eine sehr fremd gewordene Welt, in der bei allen alten und engen wirtschaftlichen Beziehungen zur Schweiz die süddeutschen Fürsten und ihre Regierungen einerseits aus eigener Sorge vor der Herausforderung der Demokratisierung, andererseits unter dem Druck der konservativen Grossmächte Österreich und Preussen der Eidgenossenschaft mit verschiedenen Abstufungen der Kälte begegneten. Der grosse Wert von Inauens flüssig geschriebener Arbeit ist die Dokumentation andernorts bisher kaum zu findender Persönlichkeiten und Zusammenhänge. So begegnen wir dem bayrischen Gesandten Johann Franz Anton von Olry, einem Seelenverwandten des konservativen schweizerischen so genannten Restaurators und Hegel-Gegners Karl Ludwig von Haller. Die Arroganz eines Teils unserer damaligen Nachbarn und ihrer Gesandten gehört zur Geschichte des Antihelvetismus, einer Geisteshaltung, welche genau so wie die Freundschaft zur Schweiz seit dem Spätmittelalter vorkommt und die auch heute ihre Exponenten hat. Es ist ja noch gar nicht sehr lange her, dass wir Aussagen gehört haben wie die im August 1836 vom badischen Gesandten Alexander von Dusch angeregte drohende Demarche, "unmöglich könne Europa dem gegenwärtigen Zustand der Schweiz länger zusehen" (Seite 276). Wer glaubt, wir hätten heute nur Freunde und immer nur Freunde gehabt, ist gut beraten, Inauens Werk zur Hand zu nehmen. Möge es dem Autor vergönnt sein, die in Aussicht gestellte Fortsetzung der Arbeit für die Jahre 1840 bis 1848 bald seinem vorzüglichen ersten Buch zur Seite zu stellen!    

Windisch, 2. Dezember 2008     Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] z.B. Neue Briefe von Herrn Hürzeler, ISBN 3-033-00281-1

[2] Josef Inauen, Brennpunkt Schweiz; Die süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern und die Eidgenossenschaft 1815-1840, Fribourg: Academic Press, 2008, ISBN 978-3-7278-1638-3

 


Samstag, 29. November 2008

Alle an die Urnen!

Das Aargauer Volk wird dieses Wochenende entscheiden, welche Regierung in den nächsten vier Jahren den Ton angeben wird. Nur sehr begrenzt kann der durch die Personenwahl festgesetzte Kurs im Parlament oder bei den wenigen Volksabstimmungen gemildert oder verändert werden. Die Tatsache, dass die Macht zum kleinsten und erst noch vollamtlichen Gremium gravitiert, wird sich nicht so schnell ändern. Was heisst das für den Aargau? Wir werden entweder die Voraussetzungen für ein dringend benötigtes neues Kernkraftwerk schaffen können oder nicht. Wir werden entweder die erreichte Budgetdisziplin fortführen können oder nicht. Wir werden entweder weiterhin mit die Identität gefährdender bürokratischer  Reformwut konfrontiert werden oder nicht. Das sind hoffentlich für alle Bürgerinnen und Bürger klare Gründe, an die Urnen zu gehen, für mich persönlich Gründe, bürgerliche Regierungsräte zu wählen und insbesondere die beiden SVP-Kandidaten Luzi Stamm und Alex Hürzeler!

Windisch, 29. November 2008    Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 25. November 2008

Muschel an meinem Ohr

Wer im neunten Jahrzehnt seines Lebens steht, kann Dinge offen aussprechen, die unsere im Wort unfrei gewordene, politisch korrekte Gegenwart sonst kaum mehr zu hören bekommt. Rudolf Burger tut das in seinem neusten Bändchen "Muschel an meinem Ohr"[1] in erfrischender, menschenfreundlicher Weise: "Frevler sind es, die am Werk sind im Bannwald der Freiheit und Eigenständigkeit. … Menschen, die in ihrem Hochmut und ihrer Gottferne heimatlos geworden sind, möchten das Band der gemeinsamen Werte durchschneiden, sie möchten, dass wir wie sie heimatlos werden." Er poltert nun aber nicht und er predigt nicht gegen sie, er nennt sie nur beim Namen und schreibt: "Das Bleibende, was ist es? Es mag ein Lächeln sein, eine Freude, die uns ganz erfüllte und die wir weiter geben konnten." Eine solche weitergegebene Freude ist dieses gediegene kleine Werk.

Windisch, 25. November 2008       Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] Rudolf Burger, Muschel an meinem Ohr, 5736 Burg: Eiche-Verlag, 2008 ISBN 978-3-9520392-9-8


Samstag, 22. November 2008

Solidarität mit den Gemeinden!

Die Gemeindeautonomie ist allen Schreibern dieses Blog ein besonders wichtiges Anliegen, ein so wichtiges, dass der heutige Blogeintrag angesichts der allzu bescheidenen medialen Berichterstattung ausnahmsweise für die Wiedergabe einer Stellungnahme des Komitees für Gemeindeautonomie (Postadresse: c/o Gemeindeverwaltung Hallwil, zu Handen von Herrn Gemeindeschreiber Zumbühl, 5705 Hallwil) reserviert bleibt. Wir fügen hier nur an, dass das Parlament in der zweiten Beratung noch korrigieren und das Volk am Ende die Notbremse ziehen kann und, wenn es denn sein muss, hoffentlich ziehen wird. Es folgt der Text der Stellungnahme:

 "Der Grosse Rat des Kantons Aargau hat das 1. Massnahmenpaket der Gemeindereform (GeRAG) am 4. November 2008 in 1. Lesung beschlossen. Das Komitee für Gemeindeautonomie und einen solidarischen Aargau hat diese Beratungen mit Inte-resse verfolgt und festgestellt, dass die Mehrheit unserer Grossräte den Kleinst- und Kleingemeinden die Existenzberechtigung abgesprochen hat.

Verschiedene Erwägungen von Parlamentariern wie auch der Regierung sollten die Bevölkerung  wachrütteln. Diesbezüglich halten wir fest:

-          Die Regierung als auch das Parlament wollen mit „Zuckerbrot und Peitsche“ die nach ihren Aussagen „überholten Strukturen“ beseitigen. Mit Zwang und falschen Anreizen lösen wir aber keines der anstehenden Probleme. Das ist keine nachhaltige Gemeindepolitik!

-          Der Regierungsrat und gewisse Mitglieder des Grossen Rates weisen immer wieder darauf hin, dass finanzausgleichsberechtigte Gemeinden faktisch sowieso nicht autonom sind. Diese Verkürzung ist Unsinn! Jede Gemeinde, auch diejenigen die Finanzausgleich erhalten, lösen in voller Verantwortung ihre Aufgaben und Pflichten. Die Zusammenarbeit unter den Gemeinden jetzt anzuprangern und als Vorwurf zu erheben ist beschämend. Eine solche Schwächung des Gemeindegedankens – wie sie mit obigen Aussagen gemacht wird – dürfen wir im Kanton Aargau und in der Schweiz nicht zulassen!

 -          Tatsache ist, dass das Element „finanz- und wirtschaftsschwache Region“ bekanntlich mit der Raumentwicklung zentral gesteuert und bestimmt wird. Zu diesen für die Gemeindeentwicklung wichtigen Themen hat GeRAG keine Antworten.

 -          Mit GeRAG wird zwar ein Fusionshemmnis abgeschafft. Durch diese Massnahme wird jedoch vielen Gemeinden ihre Existenzgrundlage entzogen. Die untauglichen und beschönigenden flankierenden Massnahmen mildern zwar die finanziellen Auswirkungen, führen aber auch nachweislich zu grossen Verzerrungen im Finanzausgleichsgefüge. Dadurch wird die Steuerfussschere weiter aufgehen und die Solidarität in der Gemeindelandschaft zusätzlich untergraben.

 -          Durch den Finanzmittelentzug bleibt vielen Gemeinden keine andere Möglich-keit als ein Zusammenschluss, denn nur dann gibt es die Pauschalbeiträge. Somit entscheidet der Regierungs- und Grossrat faktisch über die Gemeinde-grössen, die Strukturen und wie die Menschen in finanz- und wirtschafts-schwachen Regionen zu leben haben.

 -          Tatsache ist auch, dass Gemeindezusammenschlüsse aufgrund folgender Faktoren erfolgreich sind: Entscheid wird „von unten“ getragen, Identifikation der Bevölkerung findet statt, Dorfkulturen werden beachtet, Identität bleibt gewahrt, Freiwilligkeit der Entscheidung. Wie soll eine erfolgreiche Strukturveränderung mit nachhaltiger Gemeindeentwicklung erfolgen, wenn keine andere Wahl besteht?

Es braucht eine Reform! Hemmnisse und strukturentwicklungshemmende Elemente sollen abgebaut werden. Um diese Ziele zu erreichen, gäbe es moderatere Wege, wenn der ehrliche und wirkliche Wille bestehen würde, Massnahmen zur Zielerreichung dieser Gemeindereform zu finden.

Leider sind wir heute weit von solchen Vorstellungen entfernt, wollen doch Regierung und Grosser Rat offensichtlich eine Strukturbereinigung und zentralistische Lösungen erzwingen. Grundelemente wie Demokratie, Gemeindeautonomie, Solidarität und Gleichberechtigung sollen dabei insbesondere für Randregionen mit Zwang ersetzt werden.

Gegen eine solche Entwicklung setzen wir uns entschieden zur Wehr!"

Windisch, 22. November 2008         Jürg Stüssi-Lauterburg



Dienstag, 18. November 2008

Der Präsident, der Nobelpreisträger und Jeremias Gotthelf

Auch wer sich in anderen Fällen geirrt haben mag, kann wichtige Wahrheiten aussprechen. So hat der amerikanische Präsident George W. Bush am 13. November 2008 in New York davor gewarnt, ein Paar Monate Krise zum Anlass zu nehmen, freien Märkten den Rücken zuzudrehen. Reformen seien gewiss nötig, das Hauptproblem aber sei die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums. "Und der sicherste Weg zu diesem Wachstum sind freie Märkte und freie Menschen." ("And the surest path to that growth is free markets and free people."[1])

Auch wer oft brillant ist, kann gefährlichen Unsinn vorschlagen. So hat der Kolumnist und Professor und Nobelpreisträger Paul Krugman am 15. November 2008 geschrieben, unter den herrschenden Depressionsbedingungen seien die Regeln wirtschaftlichen Verhaltens nicht zu beachten: "Tugend wird Laster, Vorsicht ist riskant und Klugheit ist Dummheit." ("Virtue becomes vice, caution risky and prudence folly."[2]) Damit meint er hauptsächlich, der Staat solle die Wirtschaft unabhängig von einem Budgetdefizit stimulieren, mit anderen Worten Geld ausgeben, das er nicht hat, Schuldenwirtschaft betreiben! Da ist es am Platz, daran zu erinnern, dass die ganze Finanzkrise damit begonnen hat, dass Leute Häuser gekauft haben, die sie sich nicht leisten konnten, weil sie damit rechneten, dass der laufend steigende Wert ihrer Immobilien ihnen am Ende aufs Trockene helfen werde - und dann fielen die Preise der Liegenschaften und die Krise begann. Und nun soll die Schuldenwirtschaft, die uns in die Probleme geführt hat, generalisiert, sozusagen durch staatliche Aktionen allgemeinverbindlich gemacht werden! Nun, wer will, dass seine Kinder und Enkel übermorgen noch etwas vom heutigen Wohlstand haben werden, wird im Staat, in der Gemeinde und in der Familie derartigen Unsinn bekämpfen, konsequent ausgeglichene Budgets vertreten, darüber hinaus sparen und allenfalls bereits bestehende Schulden abbauen. Gross geworden sind die Volkswirtschaften des Westens dank einer Gesetzesordnung, welche den Staat in die Schranken gewiesen und die Freiheit des Einzelnen garantiert hat und ausserdem dank rigoroser Sparsamkeit (was die Kapitalbildung und damit das Wirtschaftswachstum ermöglicht). Jeremias Gotthelf hat mit den Worten, die "Geld und Geist" einleiten, noch nie mehr Recht gehabt als heute: "Im Bernbiet liegt mancher schöne Hof, mancher reiche Bauernort, und auf den Höfen wohnt manch würdiges Ehepaar, in ächter Gottesfurcht und tüchtiger Kinderzucht weithin berühmt, und ein Reichtum liegt da aufgespeichert in Spycher und Kammer, in Kasten und in Kisten, von welchem die luftige neumodische Welt, welche alles zu Geld macht, weil sie viel Geld braucht, keinen Begriff hat. Bei allem diesem Vorrat liegt eine Summe Geld im Hause für eigene und fremde Notfälle, die in manchem Herrenhause jahraus, jahrein nicht zu finden wäre. Diese Summe hat sehr oft keine bleibende Stätte. Wie eine Art von Hausgeist, aber keine böse, wandert es im Hause herum, ist bald hier, bald dort, bald allenthalben: bald im Keller, bald im Spycher, bald im Stübchen, bald im Schnitztrog und manchmal an allen vier Orten zu gleicher Zeit und noch an ein halb Dutzend andern. Wenn ein Stück Land feil wird, das zum Hofe sich schickt, so wird es gekauft und bar bezahlt. Vater und Großvater sind auch nie einem Menschen etwas schuldig geblieben, und was sie kauften, zahlten sie bar und zwar mit eigenem Gelde."

 Windisch, 18. November 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] http://www.whitehouse.gov/news/releases/2008/11/20081113-4.html, nachgeschlagen am 15. November 2008.

[2] International Herald Tribune, 15-16 November 2008, Seite 7.



Samstag, 15. November 2008

Lateintag! 

Was hat uns das Latein, die Sprache der alten Römischen Republik, die Sprache Ciceros, noch zu sagen? Nun, in diesem Land wohl eine ganze Menge: Die Angehörigen von zwei unserer vier Sprachkulturen sagen von sich im Grunde noch heute, sie seien Römer ("Romands", "Romontschs"), unsere ganze Vorstellung vom Recht, das über allen Menschen steht, verdanken wir dem lateinischen Erbe: "Wir sind alle Diener des Rechts, damit wir freie Menschen sein können" So drückt es Cicero aus, oder, im Original (Pro Cluentio LIII): "legum … omnes servi sumus, ut liberi esse possimus." Und heute? Heute, 15. November findet im Prophetenstädtchen Brugg (im Latein- und Hallwylerschulhaus und im Salzhaus) von 10.00 Uhr bis 21.45 Uhr der Lateintag statt, mit römischer Küche und römischen Gesängen, deren Klängen zu lauschen auch in einer sehr veränderten Gegenwart noch das Leben bereichert

Windisch, 15. November 2008                Jürg Stüssi-Lauterburg



Dienstag, 11. November 2008

Die volle Anstrengung aller bürgerlichen Kräfte tut Not!

In seiner meisterhaften Dramen-Trilogie Wallenstein kommentiert Friedrich Schiller nicht so sehr die Epoche des Dreissigjährigen Krieges, sondern vielmehr die menschliche Natur. Klassisch ist, was Octavio Piccolomini über die Folgen von Missetaten sagt:

Mein bester Sohn! Es ist nicht immer möglich,
Im Leben sich so kinderrein zu halten,
Wie’s uns die Stimme lehrt im Innersten.
In steter Notwehr gegen arge List
Bleibt auch das redliche Gemüt nicht wahr –
Das eben ist der Fluch der bösen Tat,
Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären
."

Es ist sehr zu bezweifeln, dass alle Verantwortlichen, welche in den vergangenen Wochen weltweit mit Milliarden an Volksvermögen um sich geworfen haben, um das Finanzsystem zu retten, Schiller gelesen haben oder auch nur ihre eigene Verantwortung wirklich vollständig zu Ende gedacht haben. Weshalb sollte nicht den Autoherstellern billig sein, was den Banken recht war? Weshalb nicht jeder beliebigen anderen Branche? Überall geht es um Arbeitsplätze, überall geht es um Menschen, die betroffen sind! Und überall wird das Aufgeben der bewährten, harten, aber klaren und gerechten Grundsätze des freien Marktes uns weiter in den staatssozialistischen Sumpf führen, dessen Kennzeichen der unökonomische Umgang mit Ressourcen, die Bremsung des Wirtschaftswachstums und damit das Schwächen der Konkurrenzfähigkeit des jeweiligen Landes im weltweiten Wettbewerb, vor allem aber ein riesiger Verlust an Freiheit sein werden. Es ist unvermeidlich, dass sich die ökonomische Realität am Schluss durchsetzt, 1991 haben am Ende auch die Sowjets erkannt, dass, was sie seit 1917 praktiziert hatten, ein Irrtum war, aber noch einmal eine solche Katastrophe - mit allen oder auch nur einem Teil ihrer Dimensionen - heraufzubeschwören, nur weil 2008 einige Entscheidungsträger die Nerven verloren haben, wäre fatal. Ob es gelingen kann, den Staatssozialismus aufzuhalten, wissen wir nicht, dass wir ihn nicht aufhalten werden, wenn wir es nicht versuchen, ist hingegen gewiss. Die volle Anstrengung aller bürgerlichen Kräfte in der Heimat und in der Welt tut Not!

Windisch, 11. November 2008                Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 8. November 2008

Wie viel Schaden wollen wir noch anrichten?

Wir haben in unserem Land noch drei grosse, nach ihren Börsenkapitalisierungen wirklich zählende Weltfirmen, Nestlé, Novartis, Roche. Zwei davon haben wir durch ein politischer Angstmacherei zuzuschreibendes Moratorium des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen gefesselt. Das Moratorium läuft noch bis 2010. Zeit genug, mehr als genug, Grundlagen für das ordentliche Recht zu schaffen. Aber nein, die Kommission für Volkswirtschaft und Abgaben des Aargauer Parlaments will dieses unser Land in die Provinzialität zurückdrückende Moratorium noch einmal um vier Jahre verlängern, das heisst eine entsprechende Standesinitiative einreichen. Dergleichen Unverantwortlichkeiten gegenüber den wirtschaftlichen Existenzgrundlagen unserer Kinder und Enkel sollten wir bleiben lassen! Die Zeitläufe eignen sich schlecht für weiteren durch Politiker unserer Wirtschaft zugefügten Schaden. Es ist zu hoffen, dass sich der Grosse Rat  diesmal einem offenkundig schädlichen Vorstoss verschliessen wird!

Windisch, 8. November 2008              Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 4. November 2008

Der Kassengriff der Classe Politique

Es wird Grossrätinnen und Grossräte geben, die dagegen stimmen, es ist aber leider zu befürchten, dass die Mehrheit in Aarau heute (oder am kommenden Dienstag) tief in die Kasse des Volkes greift und, zufrieden mit sich selber, sich eine massive, die bisherigen Bezüge per Saldo mehr als verdoppelnde, Entschädigung zuspricht. Warum ist diese Erhöhung unnötig? Hat man schon gehört, dass das Aargauer Volk mangels Kandidatinnen und Kandidaten den Grossen Rat nicht habe bestellen können? Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind alle freiwillig im Amt, um dem Volk zu dienen, und es wird immer 140 brauchbare Frauen und Männer geben, die diese Arbeit verrichten wollen! Warum ist der Kassengriff schädlich? Weil er Nachahmung finden wird, auf allen Stufen, im ganzen Kanton und darüber hinaus in den Gemeinden. Und die Bürgerinnen und Bürger werden sagen: „Anstatt sich mit den Problemen des Volkes zu beschäftigen, federn sie ihr eigenes Nest.“ So wird es tönen und wenn es so tönen wird, wird guten Gewissens niemand widersprechen können.

Windisch, 4. November 2008       Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 1. November 2008

Weniger Kleinmut!

Die Finanzmärkte haben sich ein wenig erkältet, es ist wahr (dieser Blog hat den Verlauf der Krankheit über Monate verfolgt, auch als dies noch nicht Mode war). Und was geschieht? Es sind, in der politischen Sphäre, auch im Kanton Aargau, Bilder zu beobachten wie wenn aufgescheuchte Hühner auseinander fahren! Gab es einen Grund, die Rechtsformänderung der Kantonalbank, ein Gebot der Vernunft, nun auf Eis zu legen? Es gab keinen, im Gegenteil, die Abschaffung der überaus gefährlichen Staatsgarantie war noch nie dringender! Allein, unter dem Vorwand, das Volk werde nein sagen (wissen wir denn das bevor wir es fragen?) wird nun alles sistiert! Es gibt, leider, in diesem Geschäft kaum Helden zu verzeichnen, es waren wenige Stimmen, von Rothrist und Schöftland bis Baden kamen sie, die wenigstens in den Fraktionen warnten, umsonst. Zwei, drei staatssozialistische Erklärungen im Grossen Rat und eine Regierung, in der die einen um ihren Nachruhm, die anderen um ihre Wiederwahl besorgt sind, sistiert, was sie forcieren sollte, die Modernisierung ihrer Beteiligungspolitik! Was ist zu tun? Nun, es gilt, weiter zu kämpfen, gegen den Staatssozialismus, auch wenn bürgerliche Politiker in einer Anwandlung von Kleinmut staatssozialistische Bekenntnisse von sich geben! Es wird ihnen am Ende nicht wirklich ernst sein damit und die nun einsetzende Erholung der Finanzwelt wird ebenso für neuen Mut sorgen wie die anstehende Blutauffrischung im Regierungsrat! Hoffen wir, dass nach den Wahlen dort Kräfte den Ton angeben, für welche Namen stehen wie Luzi Stamm, Alex Hürzeler, Roland Brogli, Peter Beyeler oder auch Doris Fischer-Täschler. Wir brauchen sie, vor allem aber brauchen wir weniger Kleinmut!

Windisch, 1. November 2008             Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 28. Oktober 2008

Nicht der Staatsapparat, sondern das Volk!

Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Das heisst aber auch, dass das Volk selbst und direkt handeln muss, wenn eine Sache so dringend und wichtig ist, dass es gefährlich wäre, sie dem trägen Staatsapparat, dem Bureausaurus helveticus, zu überlassen. Das ist in unserer Geschichte zum Glück immer wieder geschehen, nie schlagender, als bei der Schöpfung der Flugwaffe durch den Willen des Volkes. Noch die Kaisermanöver von 1912 (der deutsche Kaiser Wilhelm II war auf Staatsbesuch) fanden ohne Flugzeuge statt und die Generalstabsabteilung wollte sich der Militäraviatik nur zuwenden, wenn das erforderliche Geld gefunden werde… Da beschloss die Schweizerische Offiziersgesellschaft (unter dem Vorort Freiburg) am 1. Dezember 1912, das Volk aufzurufen, eine Kollekte zusammenzulegen. Oskar Bieder flog, um dafür zu werben. Am 9. Mai 1913 konnte der für die damaligen Verhältnisse hohe Betrag von 1.7 Millionen Goldfranken dem Bundesrat übergeben werden. Bundesrat Arthur Hoffmann konnte daraufhin am 15. Juli die Aviatik-Kommission zur ersten Sitzung begrüssen. Die Schweiz hatte die Kurve ein weiteres Mal gerade noch rechtzeitig geschafft, trotz des Staatsapparats, dank dem Volk!

Windisch, 28. Oktober 2008                           Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 25. Oktober 2008

Jetzt brauchen wir die Steuersenkung mehr als jemals zuvor!

Es gab eine Zeit – sie liegt noch gar nicht so lange zurück - da konnte man in guten Treuen geteilter Meinung sein, ob die auf 2010 vorgesehene, vom Volk beschlossene dritte Etappe der Steuersenkung wirklich bereits auf 2009 eingeführt werden solle oder nicht. Fiskalische Gründe sprachen dagegen, volkswirtschaftliche dafür. Diese Zeit ist Geschichte geworden: Wenn wir einen Kollaps auch unserer schweizerischen Wirtschaft verhindern wollen, müssen wir uns mit allen dazu tauglichen Mitteln für die Gesundung der deutlich angeschlagenen Ökonomie einsetzen. Da kommt die vorgezogene Steuersenkung wie gerufen. Jetzt zu dieser Steuersenkung Nein zu sagen, würde von wenig Weitblick zeugen und die Aussichten für unseren Kanton und unser Land vielleicht nicht entscheidend, aber doch deutlich verschlechtern. Stimmen wir also dem Vorziehen der dritten Etappe der Aargauer Steuergesetzrevision verantwortungsbewusst zu!

Windisch, 25. Oktober 2008                           Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 21. Oktober 2008

Wie weiter?

Staatssozialisten haben – mit Argumenten, deren häufige Wiederholung sie nicht weniger fadenscheinig macht – insbesondere in Europa und Amerika die Finanzkrise benützt, um ihren Traum von der Kontrolle des Weltfinanzsystems ein Stück weit zu verwirklichen. Diese staatssozialistischen Interventionen in der Bankenwelt werden strukturerhaltend wirken und damit die nötige Erneuerung verzögern. Die Verzögerung der Flurbereinigung wird den aufstrebenden Mächten des Ostens bei ihrem Überholmarsch zugute kommen. Das können wir zur Zeit nicht ändern, nur mutig kritisieren wie etwa Konrad Hummler es tut! Was bedeutet dies für uns als Privatleute und als Angehörige unserer Familien? Wir werden gut daran tun, Abhängigkeiten zu verringern, also alle Schulden ohne Ausnahme zurückzuzahlen und danach mit Geld, das wir in den kommenden zwei Jahren nicht brauchen, Aktien zu kaufen. Die Kontrolle der Staatsverwaltungen über das Bankwesen (und etwas anderes als die Verstaatlichung der grossen Banken hat nicht stattgefunden) wird nämlich einen Inflationsschub auslösen, da Politiker nie den Mut haben, nominale Abstriche zu erzwingen, reale Abstriche aber unvermeidlich sind und Inflation die einzige Möglichkeit ist, dieses Problem zu lösen. Wenn die Geldmenge schneller wächst als die reale Wirtschaft steigen die Preise. Das ist der Haupthintergrund des sehr vernünftigen Aufrufs, den Warren E. Buffett keineswegs nur aus patriotischen Gründen erlassen hat: „Today my money and my mouth both say equities.“
[1] Man dürfte allerdings gut beraten sei, ein nach Branchen und Kontinenten weit diversifiziertes Portefeuille aufzubauen!

Windisch, 21. Oktober 2008                           Jürg Stüssi-Lauterburg
 

[1] International Herald Tribune, October 18-19, 2008, Neuilly: IHT, 2008, Seite 6.



Samstag, 18. Oktober 2008

Amerikanischer Staatssozialismus

Viermal 25 Milliarden Dollar, um die vier grössten amerikanischen Banken dem Einfluss des Staatsapparats zu unterwerfen: Das ist zwar keine vollständige Beschreibung der so genannten staatlichen Investition in Aktien von Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase und Wells Fargo aber das ist in der Substanz, was sich abspielt. Dass ein republikanischer Präsident eine derartige krass staatssozialistische Massnahme ergreift, kann man entweder als Zeichen der Verzweiflung oder wohl eher als Ausdruck der Übermacht der Verwaltung über die gewählten Politiker auch am Potomac deuten. Damit haben nun auch die USA ihre Konkurrenzfähigkeit drastisch geschwächt, das chinesische Jahrhundert dürfte mit Beschleunigung herannahen. Was heisst das für den einzelnen Menschen und für die einzelne Familie bei uns? Die Antwort auf diese Frage ist, nicht unbedingt „sehr viel Gutes“. Gewiss wird nicht schlecht beraten sein, wer alle Schulden ohne Ausnahme zurückzahlt und danach unter keinen Umständen mehr irgendwelche neuen Schulden macht, sondern vielmehr ein auch geographisch diversifiziertes, ausserhalb der EU und der USA gelegene Länder mit berücksichtigendes, Portefeuille anlegt. Dies mag eine langweilige Wiederholung sein, aber in so wichtigen Dingen ist vielleicht auch diese Wiederholung am Platze.

Windisch, 18. Oktober 2008                           Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 14. Oktober 2008

Für freie Menschen und freie Märkte!

Erwartungsgemäss ergreifen die stark sozialistisch geprägten Staatsapparate Europas die Gelegenheit des Tiefpunkts der Finanzkrise, um zu einem viel zu tiefen Preis und gegen jeden Grundsatz rationaler Ordnungspolitik die grossen Banken zu verstaatlichen. Man kann es drehen und wenden, wie man will, genau das haben sie gestern getan. Das Ergebnis wird sein, dass die Folgen der Krise viel länger andauern werden und Europa in einem noch höheren Tempo an weltwirtschaftlicher Bedeutung verliert. Warum? Weil Staatsbediente keineswegs klüger sind als private Angestellte, im Unterschied zu diesen aber die Folgen von Fehlentscheiden persönlich kaum spüren. Deshalb wird die durchschnittliche Qualität der Entscheide in der europäischen Bankensphäre sinken. Da die Entscheidqualität auf diesem Kontinent sinkt, im Osten (China zum Beispiel) und im Westen (Kanada etwa) jedoch nicht, verliert Europa. Bis zu einem gewissen Grad werden wir uns in der Schweiz dieser katastrophalen Entwicklung vielleicht entziehen können, allerdings nur, wenn wir mit jeder Faser unseres Seins politisch weiterhin für freie Menschen antreten und für freie Märkte.

Windisch, 14. Oktober 2008                           Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 11. Oktober 2008

Was bleibt?

"Das Opfer liegt. Die Raben steigen nieder." Die in der Agonie liegende amerikanische Bank Wachovia ist kein Gessler, von welchem Schiller in seinem Tell spricht, aber die Situation ist die selbe: Zwei kräftige "Raben", Wells Fargo und Citigroup, machen sich über das am Boden liegende Opfer her und verteilen die Beute. Dieses klare Zeichen, dass die Kurse an den Börsen nun alles in allem genommen zu tief gefallen sind, gibt den Firmen, die bis hierher überlebt haben, Hoffnung, und mit diesen Firmen der Weltwirtschaft.

Was bleibt vom grossen Zusammenbruch von 2007 und 2008? Es bleiben mit Sicherheit drei äusserst negative Phänomene, die man nur unter grossen Anstrengungen in ein paar Jahren wieder wird aus dem Weg geschafft haben,

- der erneuerte Drang zum Etatismus,
- die Wertverluste in den Portefeuilles der Vorsorgeeinrichtungen und
- die Steuerausfälle des Staates.

Die
Steuerausfälle werden das Wachstum bremsen, weil sie weitere Steuersenkungen verzögern, die Wertverluste untergraben das Vertrauen der Menschen in ihre Zukunft und drücken deshalb auf den Konsum. Den grössten Schaden aber dürfte der neubelebte Etatismus anrichten, denn die wieder grösseren Eingriffe des Staates in Finanz und Wirtschaft werden das Wachstum und die Innovation direkt bremsen, Ressourcen unökonomisch zuteilen und das freie Unternehmertum einschränken. Mit anderen Worten: Die grösste politische Aufgabe bürgerlich denkender Menschen - den Staat nicht grösser werden zu lassen, als die Bewahrung der Freiheit der Menschen unabdingbar erfordert - ist nicht anders geworden, aber wesentlich schwerer.

Windisch, 11. Oktober 2008                           Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 7. Oktober 2008

Der Wind dreht, aber Vorsicht bleibt das Gebot der Stunde

Die Finanzkrise hat ihren tiefsten Punkt nunmehr erreicht. Diese Aussage dürfen wir zuversichtlich wagen, wenn zwei amerikanische Banken (Citi und Wells Fargo - diese bekannt aus den Wildwestfilmen) über die Trümmer einer zusammenbrechenden dritten Bank (Wachovia) streiten und markten und rechten, wenn Warren Buffett seinen stets mit beinhartem Griff verschlossenen Geldbeutel öffnet und für Anteile an Goldman Sachs, an General Electric und anderen Firmen mehr Milliardenbeträge ausgibt. Damit ist freilich nicht gesagt, die Finanzwelt werde bald wieder sein, wie zuvor. Beunruhigende Anzeichen einer Auferstehung des tot geglaubten Staatssozialismus sind ernst zu nehmen. Wenn der französische Präsident nach Reformen der Weltfinanzordnung ruft (sprich nach mehr Macht für von niemandem gewählte aber alles besser wissende Absolventen französischer hoher Verwaltungsschulen), gilt es, auf der Hut zu sein. Wer es nicht glaubt, studiere die marktfeindliche Geschichte Frankreichs seit Louis XIV (und noch früher) und ziehe seine eigenen Schlüsse über die Gründe für den vergleichsweise zurückgebliebenen Stand des Bruttosozialprodukts in unserem liebenswerten und sympathischen, aber sehr, sehr speziellen westlichen Nachbarland. Dies, in europäischem Ausmass ausgelebt, wäre eine Katastrophe! Nun, es wird vielleicht nicht zum Schlimmsten kommen, aber Sparsamkeit, rigoroser Abbau aller Schulden und danach Aufbau eines insbesondere auch geographisch über die EU hinaus differenzierten Portefeuilles wären wohl nicht die dümmsten Ideen, um für das langfristige Wohlergehen der eigenen Familie Vorsorge zu treffen. Denn nicht wahr: Mit dem Billionenverlust an Gesamtwert der Weltbörsen ist mit Sicherheit die (hoffentlich immer noch solide) Deckung der Rentenansprüche einer alternden Bevölkerung insgesamt auch nicht besser geworden. Kurz: Der Wind ist am Drehen, aber Euphorie wäre fehl am Platz!

Windisch, 7. Oktober 2008                             Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 23. September 2008

Wenn Du gewonnen hast, wird es erst gefährlich!

Erfolge lösen Freude aus. Freude ist schön und gefährlich. Wir sind jedoch nie ganz sicher, ob die Erfolge auch bleibenden Charakter haben, im Grossen nicht und im Kleinen nicht, auf den Weltfinanzmärkten nicht und im Grossen Rat Aargau nicht, auf zwei Schauplätzen also, mit denen sich dieser Blog von Zeit zu Zeit befasst. Auf den Weltfinanzmärkten hat das amerikanische Schatzamt Hunderte von Milliarden von Dollars Steuergelder für den Erwerb von höchst zweifelhaften Papieren verwendet, um die Märkte zu stabilisieren. Die Folgen einer Fortsetzung der grossen Finanzkrise wären in der Tat gravierend gewesen. Ob sie uns erspart werden, bleibt abzuwarten: Diese Interventionen von seit 1825 kaum mehr gekannten Ausmassen – sie sind in ihrer Systemwidrigkeit mehr, als was Präsident Franklin Delano Roosevelt in der Not der Dreissiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als New Deal an die Hand nahm – werden die Implosion der Börsenkapitalisierung von Finanzanbietern vielleicht aufhalten und vielleicht nicht. In dieser Lage ist es für den Einzelnen und die Familien noch viel wichtiger als bisher, Schulden (alle Schulden, ausnahmslos) zurückzuzahlen und danach diversifizierte Portefeuilles aufzubauen, um die eigene Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit zu erhöhen. Für den Aufbau bleibt die Regel stets die alte: Man lege nicht alle Eier in denselben Korb! Inflation ist zu erwarten, aber es sind gleichzeitig starke Gegenkräfte am Werk und das Resultat des Zusammenstosses ist nicht absehbar. Und im Aargau? Der Grosse Rat hat zwar das Werbeverbot für Alkohol aus dem Gesundheitsgesetz entfernt, aber Rückkommen ist möglich (das Gesetz ist noch nicht zu Ende beraten) und man mache sich über die Hartnäckigkeit derjenigen Eiferer, die keinem Menschen sein Feierabendbier gönnen, keine Illusionen. Es sind zwar nur wenige (und nicht alle Gegner von Alkoholwerbung gehören dazu), aber sie sind umso zäher. Wachsamkeit ist deshalb weiterhin angebracht.

Windisch, 23. September 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg

PS. Der Hauptblogschreiber befindet sich nun bis zum 6. Oktober in den Herbstferien, es wird erst danach wieder ein Blog erscheinen. Allen Menschen, die diese Zeilen lesen, wünsche ich persönliches Wohlergehen und eine gute Zeit!           Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 20. September 2008

David Einhorn hat gewonnen!

Das in diesem Blog intensiv verfolgte Seilziehen zwischen David Einhorn und Richard Fuld (15. Juli, 22. Juli, 30. August, 13. September) ist entschieden, Einhorn hat gewonnen (sehr viele Millionen gewonnen), Fulds Name ist nur noch für die Finanzgeschichte relevant, seine 158 Jahre alte Firma Lehman Brothers ist ruiniert, die über 20'000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind auf der Strasse, das Vertrauen der Menschen in den Finanzplatz USA und ins Weltfinanzsystem ist kleiner geworden. Die erste Erschütterung war so gross, dass der kluge John Thain an der Spitze von Merrill Lynch, der Bank, die als nächste ins Visier der Leerverkäufer zu kommen drohte, seine Firma an die Bank of America verkaufte. Wir würden uns nicht wundern, wenn nach einer Zwischenphase mit dem Druck auf die Versicherung AIG Einhorn und seine Leute gegen Morgan Stanley antreten würden und wir wagen darüber hinaus die Prognose, dass, wenn sie sich nicht beim einen oder anderen Versuch eine blutige Nase holen, am Ende nicht einmal Goldman Sachs vor ihnen sicher sein wird. Was bedeutet das für die Banken? Es bedeutet, dass es ausserordentlich wichtig ist, die Schulden zu reduzieren und die Kapitalgeber gut zu behandeln. Was bedeutet es für den einzelnen Menschen und die einzelne Familie? Zunächst, auch unter Konsumeinschränkung, die Schulden reduzieren und danach mit eiserner Sparsamkeit ein diversifiziertes Portefeuille aufbauen! Hat das nicht gesamtwirtschaftlich auch unerwünschte Konsequenzen? Bis zu einem gewissen Grad könnte man dies zunächst denken, da solches Verhalten aber kollektiv die Reputation eines Landes ausmacht, sind Solidität und Sparsamkeit nicht nur klug, sondern auch patriotisch. Soll man Gesetze gegen Spekulanten erlassen? Das wäre das Verkehrteste! Einhörner mögen vielleicht nicht allen Leserinnen und Lesern besonders sympathisch sein, sie sind aber an den Finanzmärkten so nützlich wie die Hyänen in der Serengeti!

Windisch, 20. September 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg



Dienstag, 16. September 2008

Ein vernünftiger Vorschlag der SP

Die SP schlägt vor, die Kinderabzüge bei den Steuern zu erhöhen (Geschäft 08.157), mit Einschränkungen und Auflagen und Bemerkungen und Kommentaren, gewiss, aber sie schlägt es tatsächlich vor! Diesem vernünftigen, willkommenen Vorstoss wird der Grosse Rat die Unterstützung hoffentlich nicht versagen! Allzu oft, am letzten Dienstag zum Beispiel, findet in Aarau ja kaum eine wirkliche Debatte statt, sondern alle sagen, was sie vorbereitet, stimmen, wie sie sich vorgenommen haben. Die Linke hält die Bürgerlichen für unverständige Schwächer des Staates, welcher in ihren Augen stark sein muss, damit er tun kann, was nur im Kollektiv getan werden kann. Und die Bürgerlichen halten die Linken für unverantwortliche Gegner der persönlichen Freiheit, die den Menschen wegnehmen, was ihnen gehört und womit sie selber am besten und auch für die Allgemeinheit produktivsten umzugehen verstehen. Gleichzeitig wissen im Grunde alle, dass so apodiktisch formuliert beide Haltungen Vereinfachungen sind. Das Leben ist komplizierter und alle haben die gemeinsame Verpflichtung, den freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat auch für die nächste Generation zu bewahren. Von Zeit zu Zeit bricht sich diese Überzeugung Bahn, hüben und drüben. Bei diesem Vorschlag liegt ein solcher Fall vor: Die SP verlangt eine Steuersenkung! Man hat der Partei vorgeworfen, sie betreibe Wahlkampf. Daran mag etwas sein. Man hat ihr vorgeworfen, das nur zu tun, um die vorzeitige Inkraftsetzung des revidierten Steuergesetzes zu verhindern. Auch hierin mag ein Körnchen Wahrheit sich finden. Doch selbst wenn das das einzige Ziel der SP gewesen sein sollte, und das ist wohl eine Vereinfachung, selbst dann wäre es ein klares Eingeständnis, dass dieser Staat überfinanziert ist! Dies ist eine höchst erfreuliche Einsicht, eine zu unterstützende Erkenntnis! Geben wir also einen Teil des überschüssigen Geldes denen zurück, denen es gehört, den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern und senken wir die Steuern!

Windisch, 16. September 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 13. September 2008

Der Kanarienvogel in der Kohlengrube

Es ist ein stimmiges Faktum, dass die deutsche Bergstadt Sankt Andreasberg über ein Kanarienmuseum verfügt. Bergleute hielten Kanarienvögel in den Kohlengruben, um von oben nach unten sich ausbreitendes Methan oder Kohlenmonoxid rechtzeitig festzustellen und, sobald der Gesang des Vögelchens nicht mehr zu hören war, die Grube noch rechtzeitig zu verlassen. Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers spielt zurzeit diese Rolle auf den Finanzmärkten. Ihr Börsenkurs ist auf rund 8 Dollar gesunken, von über 60 Dollar zu Jahresanfang. Noch ist, im Bilde gesprochen, schwacher Gesang zu hören, aber es ist Zeit, die Werkzeuge zusammenräumen (also Schulden abzubezahlen und danach Reserven aufzubauen) um, wenn und sobald der Gesang dann vollends verstummt, gemessenen Schrittes Richtung Grubenausgang gehen zu können und zu überleben!

Windisch, 13. September 2008           Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 9. September 2008

Dürre Äste

Inere grosse Famili git’s gäng es paar dürr Est.“
[1]

Wir werden das nicht ändern können. Es ist ohnehin sehr die Frage, ob es im Leben in erster Linie darum gehe, die Dinge grundsätzlich zu ändern. Das Bewahren dessen, was sich bewährt hat, die Pflege des insgesamt gesunden Baumes ist vielleicht nicht alles, aber am Ende auch nicht zu verachten.

Windisch, 9. September 2008             Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] Schweizerdeutsche Sprichwörter, Zürich: Rascher, 1918, Seite 10.


Samstag, 6. September 2008

Musa as-Sadr

Im August 1978 reiste der libanesische schiitische Geistliche und Politiker Musa as-Sadr nach Libyen. Seither fehlt von ihm jede Spur. Das libysche Regime sagte damals, er sei nach Rom weitergereist, dort ist er aber nie angekommen. Nun, nach - freilich unruhigen - 30 Jahren, hat der Libanon offiziell Anklage gegen Oberst Muammar al-Qadhafi erhoben.
[1] Wenn diese, leider wohl rein symbolische, Anklage ein wenig dazu beiträgt, dass zukünftige Diktatoren und ihre Familien weniger Menschen verschwinden lassen oder auch nur verprügeln, hat der Libanon seinem alten Namen als Schweiz des Nahen Ostens in dieser einen Hinsicht jedenfalls Ehre gemacht.

Windisch, 6. September 2008            Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7584557.stm, nachgeschlagen am 4. September 2008.


Dienstag, 2. September 2008

Wachsamkeit tut Not!

Ein Blogger, ein Vertreter der Medien, kritisiert einen Präsidenten oder Regierungspräsidenten. Was bei uns in der Schweiz immer noch, zum guten Glück, vollkommen harmlos ist, wird in der Russischen Föderation von Tag zu Tag gefährlicher. Wir erinnern uns noch sehr genau des (mit Polonium-210 aus Sarov) vergifteten Tees, dem der Regimekritiker und Buchautor Alexander Litvinenko 2006 unter grauenhaften Qualen erlegen ist, wir erinnern uns der Kugel, die in Moskau dem Leben der Regimekritikerin Anna Politkovskaya im selben Jahr ein Ende gesetzt hat. Wer war's? Die Sache ist so klar wie die Sonne am Himmel. Die Mörder sind aber mit milder Kritik weggekommen. Nun, sie werden immer unverschämter: Am vergangenen Sonntag hat die Polizei einen weiteren Regimekritiker, der über kaukasische Dinge nicht schrieb, was das Regime lesen wollte, verhaftet und kurzerhand umgebracht. Der Mann aus Ingushetien in der Russischen Föderation hiess Magomed Yevloyev, er ist gestorben als Märtyrer für das freie Wort. Wenn wir diesen Tod wieder nicht ernst nehmen, werden die Mörder aller Erfahrung nach noch dreister werden. Wachsamkeit tut Not!

Windisch, 2. September 2008             Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 30. August 2008

Einhorn 1 – Fuld 1: Verlängerung!

Noch immer ist sie nicht zu Ende, die grosse internationale Finanzkrise (vgl. z.B. Blog vom 22. Juli). Die amerikanische Investmentbank Lehman kämpft ums Überleben, will weitere 6 % ihres Personals (1'500 Menschen) auf die Strasse stellen und das Tafelsilber abstossen (Immobilien, Anlagetochter Neuberger Berman). Eine Aktie kostet gegen 15 ¾ Dollars. Der Kritiker der Firma, David Einhorn, hat bisher nicht Unrecht bekommen und so geht dieses sehr, sehr ernste Spiel nun in die Verlängerung. Wir erkennen daran deutlich, dass das Ende der Krise nach wie vor nicht absehbar ist.

Windisch, 30. August 2008                             Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 26. August 2008

Gegenseitige Hilfe

Im Bundesbrief von 1291 steht zu lesen, weshalb es die Eidgenossenschaft gibt: PROMISERUNT INVICEM SIBI ASSISTERE AUXILIO, sie haben sich gegenseitige Hilfe versprochen. Es ist schön, dass der alte, ehrwürdige Ausdruck Eidgenossenschaft in letzter Zeit wieder zu neuer Geltung gekommen ist. Das heisst dann allerdings auch, dass wir alle auf Dinge Verzicht leisten sollten, die nun gewiss alles andere sind als eidgenössisch, zum Beispiel auf die gängig gewordene systematische Demontage von Persönlichkeiten. Kritik an einzelnen Handlungen ist immer erlaubt und im politischen Bereich geradezu unabdingbar. Kritik, richtig vorgebracht, hilft auch dem Kritisierten. Aus der Zulässigkeit von Kritik aber das Recht abzuleiten, einen Menschen als solchen in seinem Wesen und seinem Sein anzugreifen, ist ganz und gar uneidgenössisch. Nicht Niederreissen ist gefragt, sondern Aufbau!

Windisch, 26. August 2008                Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 23. August 2008

Ein Unrecht und eine Dummheit

Der Grosse Rat hat die so genannte Mehrwertabschöpfung beschlossen, angeblich von 20 % des Mehrwerts, in Wahrheit von gegen 20 % des gesamten Werts von neu eingezontem Land. Das ist ein Unrecht und eine Dummheit. Es ist eine Dummheit, weil jeder Saldotransfer aus privaten Händen in öffentliche Hände die Durchschnittsqualität der zu tätigenden Investitionen mindert, die vorhandenen Mittel also unökonomischer eingesetzt werden, was der Volkswirtschaft Schaden zufügt. Es ist auch ein Unrecht. Denn wer hat vorher die Nichteinzonung verfügt? Dieselbe Öffentlichkeit, welche nun über den Willen und die Absicht und die freie Verfügung des Eigentümers oder der Eigentümerin hinweg schreitet, einzont und abkassiert. Gier der allerdings unersättlichen aktivistischen Verwaltung, Sorge, den eigenen Regierungsrat zu schwächen, Vertrauen auf die weit verbreiteten modernen schweizerischen Untugenden Neid, Staats- und Novitätsgläubigkeit ("wenn ein Gesetz neuer ist, ist es auch besser"): Von alledem ist etwas zu spüren gewesen im Grossen Rat und auch von der Vereinzelung der wenigen verbleibenden Bürgerlichen ausserhalb der SVP-Fraktion (Urs Häni, Walter Forrer, Ursula Zollinger, Manfred Breitschmid gehören zu den löblichen Ausnahmen). Gewiss, das Gesetz ist noch nicht verabschiedet, gewiss, es folgt noch eine zweite Beratung, sicher, die Volksabstimmung kann noch gewonnen werden! Nehmen wir aber auch zur Kenntnis, wie enorm weit eigentumsfeindliche Gedanken heute verbreitet sind. Wer Eigentümer so beraubt, kann für auswärtige und ausländische Investoren nicht auf die Dauer vertrauenswürdig bleiben. Kämpfen wir weiter gegen dieses Unrecht und diese unseren Kanton schädigende Dummheit an!

Windisch, 23. August 2008                             Jürg Stüssi-Lauterburg



Dienstag, 19. August 2008

Nein zu Artikel 37, Absatz 1 und Ja zu den sechs Steinkrügen!

Im Johannesevangelium wird erzählt (Kapitel 2, 6 – 10) wie Jesus Christus das Wasser in sechs Steinkrügen in Wein verwandelte, da die Hochzeitsgesellschaft zu Kana keinen hatte. Man kann zum symbolischen Gehalt dieser Geschichte stehen, wie man will, dass an eine Hochzeit auch Wein gehört, ist ein Teil unseres über 2000 Jahre alten, sowohl griechisch-römischen, als auch jüdisch-christlichen, kurz gesagt westlichen Erbes. Die Kunstgeschichte kennt eine grosse Anzahl von Bildern zur Hochzeit von Kana, die das unterstreichen. Zu den schönsten dieser Bilder gehört ohne Zweifel das Mosaik im Chora-Museum in Istanbul, nach wie vor einer Weltstadt des Westens, wie östlich ihre Architektur auch anmuten mag. Nun, was bedeuten 2000 Jahre Kultur gegen die Weisheit einer politisch korrekten Verwaltung! § 37, Absatz 1 des Entwurfs zum neuen Aargauer Gesundheitsgesetz sagt klipp und klar: „Grossflächige Werbung für Tabakwaren und alkoholische Getränke wie Plakat- oder Kinowerbung ist verboten. Davon ausgenommen sind Firmenbezeichnungen am Geschäftssitz oder Produktionsort.“ Das heisst klar, dass beispielsweise eine türkische Tourismuswerbung mit dem erwähnten Mosaik, das ja den Weingenuss als etwas Positives erscheinen lässt und also dafür wirbt, verboten werden müsste, denn die selben Kreise, deren Eifer zu diesem Entwurf geführt hat, werden ja ganz bestimmt auch in der Überwachung der Anwendung aktiv werden. Dagegen gilt es zu kämpfen, parlamentarisch, publizistisch und am Ende auch an der Urne. Unsere Winzer und auch unsere Bierbrauer geben jeden Tag sehr vielen Menschen ein Stück Lebensqualität und haben den Missbrauch, der mit jedem Getränk und jeder Speise (und sehr viel anderen Dingen auch) getrieben werden kann, nicht zu verantworten. Unsere Winzerinnen und unsere Bierbrauerinnen verdienen mehr als unsere Toleranz, sie verdienen unsere aktive Unterstützung. Also Nein zu Artikel 37, Absatz 1 und Ja zu den sechs Steinkrügen!

Windisch, 19. August 2008                 Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 16. August 2008

50'000 Franken weniger und zahlreiche Freunde mehr

Die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt eines Aargauer Regierungsrates oder eine Regierungsrätin sind faktisch im Wahlkampf und wir sind ihnen dankbar für die Möglichkeit einer demokratischen Auswahl, die sie uns bieten und die immer das Wichtigste an Wahlen bleiben wird. In diese Dankbarkeit sind insbesondere auch jene Kandidierenden einzuschliessen, mit deren politischem Credo wir nicht viel anfangen können, denn eine Kandidatur ist nicht nur mit mehrmonatigem Verzicht auf alle Freizeit, sondern auch mit sehr erheblichen persönlichen Auslagen verbunden. Im Falle der vielleicht nicht ganz vergleichbaren aber immerhin auch gesamtkantonalen Nationalratswahlen belief sich der finanzielle Nettoaufwand in meinem eigenen Fall auf deutlich über 50'000 Franken. Das dürfte für einen Regierungsratswahlkampf bei weitem nicht reichen. Das muss niemand tun und wer „Ja“ sagt zur Kandidatur nimmt diesen Aufwand auch dann in Kauf, wenn er keine oder sehr geringe Erfolgsaussichten hat (wie der letztplatzierte Kandidat auf einer Liste). Der Ertrag lässt sich aber daneben durchaus sehen: Der Einsatz der eigenen Familie, eines halb vergessenen Militärkameraden, der zum Freund geworden ist, die vielen positiven Begegnungen im ganzen Kanton bleiben unvergesslich. Diesen ganz persönlichen Ertrag wünscht unser Blog allen Kandidierenden ohne Ausnahme und unserem Kanton daneben einen harten, aber stets fairen politischen Spätsommer und Herbst!

Windisch, 16. August 2008                             Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 12. August 2008

Schnell ist gebrochen, doch langsam gebaut!

Im Habsburger Jahr (900 Jahre erste urkundliche Erwähnung, 700 Jahre Ermordung des zweiten Habsburgers auf dem Thron des Heiligen Römischen Reiches) wird es angehen, auch an die Gründung der drei die Habsburg gegen Westen abschirmenden Burgen Wildenstein, Wildegg und Brunegg im 13. Jahrhundert zu erinnern. Am Ende haben sie alle drei den Gang der historischen Entwicklung nicht aufgehalten, weder den ersten, bernisch-solothurnischen Zug nördlich der Aare vor die Stadt Brugg und über den Bözberg nach Frick um die Jahreswende 1388/1389 noch den zweiten bernischen Vorstoss im Jahre 1415. Seither gehören alle drei Häuser zur Eidgenossenschaft und wir wollen hoffen, dass dies noch manches Jahrhundert so bleiben möge. Wildenstein und Brunegg sind privat. Es ist erfreulich, zu konstatieren, dass Brunegg dieser Tage von Gerüsten umgeben ist, die Eigentümerfamilie trägt Sorge zum Kulturgut und dasselbe ist ähnlich auch bei Wildenstein zu konstatieren. Wildegg ist eidgenössisch und gehört uns somit allen zusammen. Der Spruch über dem Tor geht daher in einem mehrfachen Sinn uns alle an und kann in diesen politisch gesehen eher wirren Zeiten niemandem schaden:

Erst denken – dann sagen
erst wägen – dann wagen!
Schnell ist gebrochen
doch langsam gebaut!

Windisch, 12. August 2008                             Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 9. August 2008

Hadrian

Personenkult ist unserer republikanischen und demokratischen Tradition fremd. Und doch kennen auch wir als Volk eine gewisse dauernde Bewunderung für grosse Persönlichkeiten, etwa für die Generäle Dufour und Guisan, den Philanthropen Dunant, den Erzieher Pestalozzi oder die Stauffacherin und den Tell, deren Historizität irrelevant und deren Symbolcharakter von höchster Bedeutung bleibt. Zu den weniger beachteten, aber bedeutenden Persönlichkeiten unserer Geschichte gehört auch der römische Kaiser Hadrian, dem diesen Sommer (bis zum 26. Oktober) das Britische Museum in London eine Ausstellung der Superlative widmet, die den Preis einer eigenen Lodonreise wert ist. Eine vergleichbare Zusammenstellung von zum Teil ganz neu ausgegrabenen Originalen aus der Schweiz und der Türkei und den USA und Georgien und Israel und zahlreichen weiteren Ländern werden wir zu unseren Lebzeiten nicht mehr sehen. Grossartig ist auch der Katalog
[1], der den Besuch der Ausstellung fast ersetzt. Der Leser, die Leserin wird sehr viel sehr Lehrreiches finden, am Lehrreichsten wohl bleibt die sympathische und weise Grundidee der hohen und konstanten Sorge um militärische Bereitschaft (der Hadrianswall in Nordengland ist dafür ein imposantes Zeugnis) bei gleichzeitigem prononciertem Friedenswillen.      

Windisch, 9. August 2008                               Jürg Stüssi-Lauterburg

 

[1] Thorsten Opper, Hadrian, London: The British Museum, 2008, ISBN 978-0-7141-5069-7


Dienstag, 5. August 2008

Photoshop mit der Geschichte?

Eine ganze Reihe von bisher an sich eher ernst zu nehmenden Publikationen haben seit einiger Zeit begonnen, die Aggressivität der Sowjetunion und ihrer Satelliten in den Zeiten des Kalten Krieges (1945 bis 1991) so stark herunterzuspielen, dass die zwei naheliegendsten Erklärungen  dafür sind, dass es einerseits darum gehe, störende Fakten aus der ideologisch bereinigten europäischen Einheitsgeschichte zu entfernen und andererseits die Forderung nach Rechenschaft der totalitären Planer jener düsteren Epoche zum Verstummen zu bringen. Mit den Fakten hat dieses Verschwindenlassen von gesicherten Zusammenhängen jedenfalls wenig zu tun.Was wissen wir bereits von den real existierenden Bedrohungen der Epoche 1961 bis 1991? Genug, um definitiv feststellen zu können, dass die Arbeit an unserer schweizerischen Wehrhaftigkeit nicht überflüssig war. Im kommunistischen Osten Europas wurde im Kalten Krieg Louis Fürnbergs Lied "Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!“ gesungen.
Wer solche Lieder singt, wer der Illusion verfallen ist, immer Recht zu haben, wer seine Gegner als dumm oder schlecht ausgrenzt, mit dem ist ein Friede nicht wirklich möglich, der Waffenstillstand ist das Höchste, was sich erreichen lässt. Der Ausdruck Kalter Krieg ist denn auch sehr treffend. Er war in der Schweiz auch nicht einmal immer kalt. Ein ganz konkretes Beispiel, es erträgt, ja es fordert die Wiederholung: Im "Eröffnungsbericht zum Anlegen des zentralen Operativ-Vorganges <Leopard>" des Ostberliner Ministeriums für Staatssicherheit vom 7. September 1976 ist beispielsweise zu lesen, Ziel sei die "Zersetzung und Zerschlagung der Bande". Am 5. Februar 1979 lag in Zürich der Fluchthelfer Hans-Ulrich Lenzlinger in seinem Blut und, nach einer längeren Nachbereitung, stellte man in Ostberlin am 12. Dezember 1983 amtlich fest, Lenzlingers Organisation und deren Nachfolgerin seien aufgrund "zielgerichteter politisch-operativer Massnahmen zerschlagen" worden.[1] Das war die Arroganz des Kommunismus in der Naherwartung der Weltrevolution. Gläubige Afghanen, unterstützt von einem in der Amtszeit von Ronald Reagan wieder an Rückgrat gewinnenden Amerika, setzten den Weltrevolutionsträumen dann eine, wie sich weisen sollte, endgültige Grenze.[2] 1989 verliessen die letzten sowjetischen Soldaten das Bergland am Hindukusch, 1989 fiel auch die Berliner Mauer, 1991 wurde die Sowjetunion selbst Geschichte. Herat und Kabul hatten sich für die Sowjetunion als das erwiesen, was Homer Lea 1912, also vor dem Entstehen des Leninschen Staates, prophezeit hatte, "NARROW EXITS THROUGH WHICH NATIONS, LIKE MEN, PASS TO RETURN NO MORE". Gewiss, es wäre für eine Gesamtwürdigung der letzten Phase des Kalten Krieges nötig, weitere weltgeschichtliche Persönlichkeiten einzubeziehen wie den aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II, auf den 1981 nicht umsonst ein Attentat mit klarem bulgarisch-kommunistischem Hintergrund verübt wurde. Afghanistan aber war entscheidend. Bis die Sowjets geschlagen über den Oxus abzogen, blieb die Schweiz in ihrem Fadenkreuz: Wir wissen dank Jan Sejna[3], dass Rodion Jakowlewitsch Malinowski (sowjetischer Verteidigungsminister 1957 bis 1967) im Falle eines Krieges einen strategischen Überfall auf die Schweiz mit einplante. Wir wissen dank Vasili Mitrokhin[4], dass der sowjetische Geheimdienst KGB bis in die Achtziger Jahre Operationen in der Schweiz sowohl durchführte als auch plante, bis hin zu Anschlägen auf den Oleodotto del Reno, um den Bodensee zu verschmutzen und von Entwicklungen in Osteuropa abzulenken. Wir wissen, die Kapelle von Belfaux im Kanton Freiburg ist unsere Zeugin, dass die sowjetischen Dienste die illegale Arbeit in der Schweiz für die Zeit nach dem Kriegsausbruch intensiv vorbereiteten. Wir wissen dank Edgar Schuler, dass der sowjetische und der tschechoslowakische Generalstab je separate Kartensätze 1:50'000 für die ganze Schweiz drucken und ausserdem Spezialkarten anfertigen liessen[5]. Wir wissen dank Hans Peter Höhener, dass auch Ungarn solche Karten produzierte. Wir wissen dank Peter Veleff[6], dass die Schweiz in ihrem Nordteil - gemäss dem Militärgeographischen Atlas der NVA von 1981 zur IV. oder Bayrischen Operationsrichtung, südlich der Linie Rorschach-Zürich-Neuchâtel aber zur V. oder Alpenländischen Operationsrichtung gehörte. Daraus ergeben sich keineswegs abschliessende historische Feststellungen. Dafür ist es zu früh. Die detaillierten Operationspläne der Sowjets, aber auch der NATO-Staaten stehen uns zum Beispiel noch nicht zu Gebote. Immerhin können wir aber feststellen, dass von der üblichen nachrichtendienstlichen Tätigkeit ganz abgesehen militärische Operationen gegen die Schweiz und unter Verletzung der schweizerischen Hoheit konkret vorbereitet wurden. Dass ein permanent neutraler Staat eine völkerrechtliche Pflicht hat, drohende Angriffe auf seine Neutralität abzuwehren, liegt auf der Hand. Wie diese Abwehr 1961 bis 1991 konkret vorbereitet wurde, wird ein Buch, das Divisionär Louis Geiger, ein Veteran der schweizerischen Sicherheitspolitik, plant, in Zukunft zeigen. Das Land nicht in schlechterer Verfassung zu hinterlassen, als wir es angetreten haben, politisch, moralisch, militärisch, ökonomisch, ist die Aufgabe unserer Gegenwart, jeder Gegenwart. So gilt das mehr als ein Jahrhundert alte Mahnwort von Elisabeth von Steiger-Wach immer noch. Es ist am Gewölbe von Sigriswil zu finden, wo die Freiheitsbriefe der Berner Oberländer Gemeinde vor Feuer geschützt wurden, aber es verpflichtet uns alle jeden Tag neu:

"Der Sigriswiler alte Freiheitsbriefe ich bewach',
die Freiheit selber zu erhalten, das ist eure Sach
!"

Stechelberg, 5. August 2008    Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] Zum ganzen Vorgang: Joel Blunier, Aktenzeichen <Lenzlinger> ungelöst, Bern: Bibliothek am Guisanplatz, 2008, ISBN 3-906969-27-4.

[2] Paul Bucherer-Dietschi, Albert Alexander Stahel, Jürg Stüssi-Lauterburg, Strategischer Überfall - das Beispiel Afghanistan,  I. und II. Teilband, Liestal: Bibliotheca Afghanica,  1991 und 1993, ISSN 0250-8249 (Nummern 9 und 10).

[3] Jan Sejna, We Will Bury You, London: Sidgwick & Jackson, 1982, ISBN 0283988622.

[4] Vasili Mitrokhin, The Sword and the Shield, New York: Basic Books, 1999, ISBN 0465003109.

[5] Matthias Kuster und andere, Blautanne, Beilage zur ASMZ Nr. 2, Frauenfeld: Huber, 2003, ISSN 0002-5925.

[6] Peter Veleff, Angriffsziel Schweiz?, Zürich: Orell Füssli, 2007, ISBN 978-3-280-06101-5.


Samstag, 2. August 2008

2. August: Der schwerste vaterländische Tag!

Der schwerste vaterländische Tag ist der 2. August, wenn die Reden verklungen sind und die Umsetzung beginnen sollte. Nun, heute ist Samstag und da wird es erlaubt sein, das gestern (in meinem Fall in Wölflinswil) Gesagte noch einmal Revue passieren zu lassen:

"Und hüt? Mier xend, wie pMacht uf de Wält in Oschte sich verschiebt, wie China tUSA ablöst. Es wird no lang gaa, es wird Rückschlääg gää, Amerika bliibt is, Gott sei dank, erhalte, und doch isch klaar, das es föifmaal so iiwonerriichs Land uf tTuur gar nüd anders chan als es föifmaal chliiners a Macht z'überhole und mier gschpüüred, vo de Düngerpriise bis zum Chupfer, jetz scho der enormi färnöschtlichi Soog und sini Uuswürkige. Daas chömer nüd ändere, was mer aber chönd, isch, dur en intelligänti oder weniger intelligänti Politik pFolge für öisi Schwiiz als Ganzes verträäglicher mache oder weniger verträäglich.  Wämmer mier nüüt dier nüüt Agraarfreihandel iifüered, putze mer öise Puureschtand ewäg und wärded vollkomen erpressbaar. Isch daas gschiid? Wämmer de Banken unerträglichi Äigemittelvorschrifte mached, verleggets iri Hauptquartier über churz oder lang uf Singapur, seggs tiräkt oder in Form vonere Übernahm. Isch es gschiid, si z'vertriibe? Wämmer de Grundsatz vo de nationaalen Erschöpfig abschaffed und Parallelimport vo Medikamänt zuelönd, gits ekän Grund meh für die bäide grosse Pharmakonzärn, zBasel z'bliibe. T'Wält isch gross. Isch es gschiid, de Schwiizer Sitz vo zwäi vo de letschte drüü Firmene z'gfährde, wo no über 100 Milliarde Franke wärt sind? Wämmer bim öffentliche Verchehr im Kantoon Aargau de ländlich Ruum vernachlässiged, undergrabe mer tLäbesqualität vom ganze Kantoon willmer enere Zäntrumschimääre nahlaufed! Isch so öppis gschiid? T Lischte chönt verlengeret wärde. Uf de Punkt praacht wär de Schluss, me söll e chlii weniger a dem näggele, wo tuet, wo sich bewährt hät, e chlii meh duretänke und nüd immer nuur ales aatänke, was m en us den Amtsschtuben uselaht, und vor alem de Mänsche, de Familie, de Gmäinde, de Schuele, de Bezirk, de Firmene dur Maasshalte bi Vorschrifte, Schtüüren und Abgabe und unerträäglichen Iimischige dää Ruum lah, wo's bruuched zum Schnuufe, zum Läbe, zur Entwicklig! Ja und was häisst jetz daas für de schwäärscht vo alne vatterländische Tage, für de 2. Auguscht? Es häisst, das mer a alne Abschtimigen und Wahle söled täilnäh, sGscheh aktiv und kritisch verfolge, luege, das mer wäder sälber no als Familie, Gmäinde, Bezirk, Firmene öpperem leschtig faled, mit äim Wort di unvergliichlichi Schwiizer Freihäit i de Verantwortig läbed."

Windisch, 2. August 2008                      Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 29. Juli 2008

Schatten der Vergangenheit

Von allen totalitären Systemen ist der europäische Kommunismus am weichsten gefallen. Eine breit angelegte Bestrafung der Mörder und Folterer ist nicht erfolgt. Nun, hierzu ist mit Kipling zuversichtlich auf eine andere Instanz jenseits dieser Welt zu hoffen: "The Lord shall deal with them!" Das heisst nun aber nicht, dass wir die kommunistischen Verbrechen aus der Geschichtsbetrachtung ausblenden sollten, wie es heute in einem gewissen Ausmass tatsächlich geschieht. Deshalb sei von Zeit zu Zeit an die eine oder andere Episode aus dem, gar nicht so kalten, Kalten Krieg erinnert, als jenseits des Eisernen Vorhangs Louis Fürnbergs Lied gesungen wurde:

" Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei.
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht.
Wer die Menschheit verteidigt,
Hat immer recht.
So, aus Leninschem Geist,
Wächst, von Stalin geschweisst,
Die Partei, die Partei, die Partei.
"

Nun, wer damals Menschen zur Flucht aus der kommunistischen Tyrannei verhalf, lebte gefährlich. Der von Zürich aus tätige Hans-Ulrich Lenzlinger geriet ins Fadenkreuz des Ministers für Staatssicherheit der DDR Erich Mielke, welcher 1976 die "Zersetzung und Zerschlagung" der "Kriminellen Menschenhändlerbande" um Hans-Ulrich Lenzlinger anordnete. Am 5. Februar 1979 wurde dieser in Zürich ermordet. In einer gut dokumentierten Broschüre[1] zum unaufgeklärten Fall hat Joel Blunier zusammengetragen, was wir immerhin schon wissen können und damit unseren Dank verdient. Es geht ja wirklich nicht an, einen alten Mord einfach unter den Teppich zu kehren, weil der Ermordete eine problematische Persönlichkeit gewesen ist und der Kommunismus mit einer Art postumer Aureole umgeben werden soll!

Windisch, 29. Juli 2008            Jürg Stüssi-Lauterburg

[1] Joel Blunier, Aktenzeichen "Lenzlinger" ungelöst, Bern: Bibliothek am Guisanplatz, 2008, ISBN 3-906969-27-4


Samstag, 26. Juli 2008

Ausgrenzung

Eine der alten Methoden der Classe Politique ist, ihre politischen Gegner auszugrenzen. Zu denken ist dabei nicht an vollkommen normale Kritik an dieser oder jenen Entscheidung einer Partei oder deren Stil in dieser oder jener Frage, sondern eine pauschale Abstempelung, zum Beispiel als "rechtsbürgerlich" oder "rechtsextrem". Entsprechend der internationalen Vernetzung der Classe Politique ist eine ganze Literatur im Entstehen, in welcher die demokratische Schweizerische Volkspartei routinemässig unter "rechtsextrem" subsumiert wird. Ein jüngeres Beispiel ist der Nordire Paul Hainsworth, der auf dem Vorsatzblatt seines jüngsten Buches "The Extreme Right in Western Europe"
[1] auf der vierten Zeile von "legacy of the Nazi era" schreibt und unter anderem auf den Seiten xii, 3, 6, 18, 25, 44, 45, 48, 74,77, 84, 85, 92, 99, 100, 101, 109, 111, 112, 117 teils mit, teils ohne Namensnennung von der SVP schreibt und diese systematisch als rechtsextrem erscheinen lässt. Die paar  Einschränkungen sind sehr kleine Feigenblätter, welche die Wissenschaftlichkeit des Werkes bewahren sollen, aber dazu ganz ungeeignet sind. Nun sind wir Anhänger der freien Forschung. Es wäre verkehrt, auf einem anderen Weg als auf dem Weg der freien Rede gegen diese neue Ausgrenzungs- und Abstempelungsliteratur anzukämpfen. Gleichzeitig wäre es auch falsch, die systematische Herabsetzung und Ausgrenzung auf die leichte Schulter zu nehmen. Hier geht Ungutes vor sich, das es im Auge zu behalten gilt.

Windisch, 26. Juli 2008       Jürg Stüssi-Lauterburg
 

[1] Paul Hainsworth, The Extreme Right in Western Europe, Milton Park, Abingdon, Oxon: Routledge, 2008, ISBN 978-0-415-39682-0.



Dienstag, 22. Juli 2008

Einhorn 0 - Fuld 1

Vor einer Woche erschien der Blog "David Einhorn gegen Richard Fuld", der Börsenkurs von Lehman Brothers oszillierte um 13 Dollars, eine Woche später finden wir ihn um 19 Dollars. Die erste Halbzeit ist also klar von Richard Fuld für sich entschieden worden. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat ihm dabei massiv geholfen, hat sie doch kurzerhand ungedeckte Leerverkäufe in gewissen Titeln, darunter Lehman Brothers, verboten
[1]. Ob es bei diesem Ergebnis bleibt, hängt davon ab, ob die neu aufgekommene Euphorie für Finanzwerte anhält. Hoffen wir es, auch im Interesse des schweizerischen Bankenplatzes!

Windisch, 22. Juli 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg
 



Samstag, 19. Juli 2008

Loo, Roos, Vogelhärd, Hochwacht?

Flurnamen spiegeln die Geschichte der Heimat und die Lebensweise der Vorfahren. Flurnamen sind lebendiges Kulturgut, dessen vollen Wert derjenige und diejenige ausschöpfen, welche die Herleitung kennen. Da hilft das reich illustrierte Bändchen "Bättelchuchi und Vogelhärd"
[1] weiter. Dem Thurgauer Namenbuch zu verdanken, einer Pioniertat eigenen Rechts, erklärt die Arbeit Peter Bretschers über 50 verbreitete Flurnamen und illustriert ihre Etymologie. Beispiele gefällig? Nun, "Loo" ist die gestampfte und gemahlene Rinde von Eichen und Fichten, ein Gerbstoff für die Verwandlung von Tierhäuten in Leder, "Roos" eine Grube nahe einem Bach, in welcher Hanf- oder Flachspflanzen eingelegt werden, um sie vom Pflanzenleim zu befreien und so zur Tuchgewinnung tauglich zu machen, "Vogelhärd" haben alle Menschen gesehen, die schon auf Malta gewandert sind, es handelt sich um eine in unserem Vaterland nur als Erinnerung überlebende flächige Fangvorrichtung für Zugvögel. "Hochwacht" belegt, dass unsere militärische Tradition der Miliz voraussetzt, dass die Armee rechtzeitig mobilisiert wird und dass das ausgeklügelte System von Chutzen oder Hochwachten spätestens seit dem 17. Jahrhundert und bis ins 19. Jahrhundert dieses Faktum in der Schweiz dokumentierte. Mit der vielleicht einzigen Ausnahme von Langnau im Emmental sind freilich die Hochwachten verschwunden, umso wichtiger ist, dass die Erinnerung in den Flurnamen nachlebt!

Windisch, 19. Juli 2008                      Jürg Stüssi-Lauterburg
 

[1] Peter Bretscher, Bättelchuchi und Vogelhärd, Flurnamen und Alltagskultur, Frauenfeld, Stuttgart, Wien: Huber, 2008, ISBN 978-3-7193-1483-5



Dienstag, 15. Juli 2008

David Einhorn gegen Richard Fuld

David hat gegen Goliath gesiegt. Ob David Einhorn, der Chef eines kleinen Hedge Funds mit rund 25 Mitarbeitenden, die von Richard Fuld geführte Investment Bank Lehman Brothers in die Knie zwingen wird, muss sich weisen. Jedenfalls verraten die enormen Kursverluste bei Lehman und die hohen Versicherungsprämien gegen den Wertverlust von Lehman-Anleihen, dass ein entscheidender Kampf unmittelbar bevorsteht. Wer weiss, ist er bei Erscheinen des Blogs bereits entschieden. Wer immer von beiden verliert, es dürfte der letzte grosse Verlierer der gegenwärtigen Finanzkrise sein.

Windisch, 12. Juli 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg



Samstag, 12. Juli 2008

Nützen wir den Tag!

Unter uns, um uns herum steht eine enorme Lebenserfahrung bereit, die wir vielleicht nicht genügend heranziehen. Gut, an eigene richtige und falsche Entscheide denken wir noch oft zurück, aber wie steht es mit der Weisheit der Senioren und Seniorinnen, einem Schatz, der mit etwas gutem Willen allen zur Verfügung steht, die sich von Zeit zu Zeit eine Stunde für einen Besuch im Altersheim oder im Haus von Angehörigen der älteren Generation nehmen? Gewiss, einiges von dem, was wir dort hören, ist nur historisch interessant: General Guisan gesehen, Bundesrat Minger gehört zu haben, vermittelt, wenn ältere Menschen diese Erinnerungen teilen, historische Tiefe und dasselbe gilt von Familienangehörigen, deren Gräber schon aufgehoben sind, mit denen uns aber noch immer ein dünner Faden der lebendigen Erinnerung verbindet. Wer von einem Zeitgenossen (Pfarrer Fritz Fröhlich, Brugg) gehört hat, die grosse Grippe von 1918 sei gewesen "wie pPescht", wer von einem anderen Zeitgenossen (Oberstkorpskommandant Fritz Wille, Gümligen) erfahren hat, wie seine Schwadron 1939 in der vor kurzem nun abgebrochenen Windischer Markthalle mobilisierte und von dort nach Aarau und weiter auf die Staffelegg und der Armeestellung entgegen ritt, wird es nicht mehr vergessen. Diese Woche ist, in Nassau auf den Bahamas, Sir John Templeton gestorben, der durch kluge Investitionen zu Wohlstand und durch verantwortungsvollen Umgang mit seinem Reichtum zu Ansehen gelangte. Sir John sagte 2004 einem Journalisten, die Summe seiner Erkenntnisse aus 45 Jahren Anlagepraxis sei, einerseits geographisch zu diversifizieren und andererseits bescheiden zu bleiben. Bescheidenheit ermögliche dem Menschen, sorgfältiger und weiser zuzuhören. Von Fröhlich, Wille, Templeton gilt, dass wir ihnen keine Fragen mehr stellen können, sie sind im vollen Wortsinn Geschichte geworden. Viele aber haben wir noch um uns, andere werden wir in Zukunft um uns haben, wenn die abgeklärte Weisheit des Alters sie milder und offener gestimmt hat und der Verstand doch noch ganz wach ist. Da gilt wohl für uns alle: Nützen wir den Tag!

Windisch, 12. Juli 2008                       Jürg Stüssi-Lauterburg


Dienstag, 8. Juli 2008

Das Ende des Anfangs?

Selbst die grösste Finanzkrise ist kein Krieg. Und doch kann sie weitreichende Folgen nach sich ziehen. Es ist deshalb so verkehrt nicht, in militärischen Analogien zu denken. Da mag es angehen, hier und heute festzustellen, dass die Krise noch nicht zu Ende ist, dass noch nicht einmal der Anfang des Endes festzustellen ist, wohl aber, um einen Ausdruck von Winston Churchill zu entlehnen, vielleicht das Ende des Anfangs. Warum? Der allgemeine Konsens, von der letzten Sonntagszeitung bis zum gestrigen Wall Street Journal ist so negativ, die Bewertung der Papiere der Grossbanken so tief, dass von hier aus der Weg nur entweder zum Zusammenbruch einer weiteren Grossbank oder aber zum allgemeinen Aufschwung führen kann. Nun ist ein Crash möglich - Luzi Stamms Weckruf war nötig - es könnte sich aber auch - wenn schon - um den Zusammenbruch eines auf Baisse spekulierenden, Bankenpapiere leer verkaufenden Hedge Funds handeln. Nach dem nächsten grossen Zusammenbruch spätestens werden wir die Kesselsohle erreicht haben und von der Kesselsohle führt der Weg in alle Richtungen aufwärts. Freilich wird dann auch die Zinskurve nach oben zeigen, weil Inflationsgefahr besteht.  Diejenigen, welche die Krise durchstehen, werden profitieren. Bei einem gut diversifizierten Portefeuille oder in einem fast oder ganz schuldenfreien Zustand dürften die verbleibenden Gefahren für die finanzielle Gesundheit einer Familie begrenzt sein.

Windisch, 8. Juli 2008                         Jürg Stüssi-Lauterburg


Samstag, 5. Juli 2008

„La propriété, c’est le vol!“

Der bekennende Anarchist und Freund Karl Marx’, Pierre-Joseph Proudhon (1809 bis 1865) prägte das Wort, das Eigentum sei der wahre Diebstahl: „La propriété, c’est le vol!“ Den Ausspruch wird besser verstehen, wer sich die extremen gesellschaftlichen Spannungen Frankreichs zu Lebzeiten Proudhons vergegenwärtigt. Ausserdem hat der politische Denker im Laufe der Zeit weitere Aspekte des Eigentums, insbesondere als Gegengewicht gegen die Allmacht des Staates, zu würdigen gelernt. Aber wie so oft, hat auch in diesem Fall das Schlagwort ein Eigenleben angenommen und – zusammen mit anderen Elementen der anarchistischen und kommunistischen Ideologien - seine katastrophalen Auswirkungen gezeitigt, von denen die mörderischen Kollektivierungen des 20. Jahrhunderts die furchtbarsten sind. Darüber sind wir hinweg! Sind wir darüber hinweg? Nach Sitzungen wie der letzten Sitzung des Aargauer Grossen Rates vor den Sommerferien, in dem die Wohlhabenden von linker Seite wieder unter Generalverdacht gestellt wurden, muss die Frage erlaubt sein. Solange wir nicht sicher sind, dass Proudhon endgültig ins Museum gewandert ist, bleibt auch zum Schutz des Eigentums hohe Wachsamkeit ein Gebot der Stunde. Das Eigentum werden wir allerdings mit Gewissheit dann am besten bewahren, wenn wir an den Zeitgenossen von Proudhon denken, an den Schotten Thomas Drummond (1797 bis 1840), welcher den Grundbesitzern von Tipperary ins Stammbuch schrieb: „Das Eigentum hat Pflichten, wie es Rechte hat.“ – „Property has its duties as well as its rights.“

Windisch, 5. Juli 2008             Jürg Stüssi-Lauterburg



Dienstag, 1. Juli 2008

Warum die Grossräte weder Grundsatz- noch Grundentschädigung erhalten sollen!

Die Aargauer Zeitung weiss Sonderbares zu berichten
[1]: „Grundsatzentschädigung für
Grossräte gefordert. Die Grossratsmitglieder des Kantons Aargau sollen eine
Grundsatzentschädigung erhalten. Jedes Mitglied soll jährlich 5000 Franken Entschädigung
erhalten. Dies würde zu Mehrausgaben von 700 000 Franken führen. Die Kommission
Allgemeine Verwaltung (AVW) hat den Bericht und Entwurf zur Änderung des
Geschäftsverkehrsgesetzes verabschiedet, der die Rechtsgrundlage für eine
Grundentschädigung von 5000 Franken im Jahr für Grossrätinnen und
Grossräte bildet, teilte der Grosse Rat des Kantons Aargau mit.

Die Zeitung hat sich offenbar schwer getan, ob die Grossräte und Grossrätinnen nun
grundsätzlich eine Entschädigung oder eine Grundentschädigung erhalten sollen. Nun,
auf die Gefahr hin, im Ratssaal unpopulär zu werden: Weder das eine noch das andere!
Wenn der Kanton zu viel Geld hat – und wir halten bekanntlich entschieden
nicht dafür,
dass dem so sei, aber setzen wir die einmal voraus – dann soll er dieses Geld in Form
von angepassten Sitzungsgeldern der messbaren Leistung, der tatsächlichen Erfüllung
der gesetzlichen Pflicht, an den Grossratssitzungen teilzunehmen, zuordnen.
Auch dann ist angesichts von in ihre Privatgeschäfte abgetauchten, über ihre
Laptops gebeugten, physisch anwesenden und geistig abwesenden Mitglieder und anderen
Erscheinungen mehr zu fragen, ob es die dringendste Aufgabe des Kantons sei, durch das
Ausschütten eines Geldsegens über die Mitglieder des Grossen Rates diese für die Anliegen
der Verwaltung und der Regierung milder zu stimmen. Wohl kaum! Dagegen ist vielmehr
entschiedener Widerstand zu leisten!

Windisch, 1. Juli 2008             Jürg Stüssi-Lauterburg


Blog-Einträge vom Januar - Juni 2008